Karenzgeld 2016 in Österreich – Kinderbetreuungsgeld Höhe & Karenzmodelle

Die Geburt eines Kindes ist ohne Frage einer schönsten Momente im Leben.

Da man in der ersten Zeit mit dem neuen Erdenbürger ausreichend mit der Versorgung und dem Kennenlernen des kleinen Wunders beschäftigt ist, gilt es, sich bereits lange bevor der Nachwuchs das Licht der Welt erblickt, Gedanken über die finanziellen Angelegenheiten zu machen und sich über die vorhandenen Karenzmodelle zu informieren.

Wer hat Anspruch auf Karenz?

Grundsätzlich haben alle Mütter und Väter in Österreich, die unselbstständig erwerbstätig sind, also sich in einem Dienstverhältnis befinden, Anspruch auf Karenz. In dieser Zeit ist der Arbeitnehmer von seiner Arbeit freigestellt und erhält kein Gehalt. Während dieses Zeitraums wird dem sich in Karenz befindenden Elternteil als Ersatzleistung anstelle seines Gehaltes/Lohns Kinderbetreuungsgeld ausbezahlt.

Family of four holding Euro banknotes in their hands

Tipp: Vorab über Karenz-Modelle und Karenzgeld informieren

Karenz kann von nur einem Elternteil oder auch von beiden abwechselnd in Anspruch genommen werden. Das sich Mutter und Vater gleichzeitig in Karenz befinden ist nur beim erstmaligen Wechsel der Karenz von einem Elternteil auf den anderen für maximal einen Monat möglich. Grundsätzlich können sich die Eltern während der Karenz zwei Mal abwechseln, sodass sich maximal drei Blöcke ergeben, wobei eine Aufsplittung mindestens zwei Monate dauern muss.

Was sind die Voraussetzungen für den Erhalt von Kinderbetreuungsgeld?

Damit man Kinderbetreuungsgeld, oder im Volksmund auch Karenzgeld, erhalten kann muss der antragstellende Elternteil nicht nur seinen Lebensmittelpunkt in Österreich haben, sondern auch die Familienbeihilfe für das Kind beziehen. Zudem muss man mit dem Kind im selben Haushalt wohnen. Nichtösterreicher müssen ihren rechtmäßigen Aufenthalt in Österreich vorweisen können. Zudem muss man sich an die vorgeschriebenen Zuverdienstgrenzen halten und regelmäßig die geforderten Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen durchführen lassen.

Welche Kinderbetreuungsgeldmodelle gibt es?

Im Jahr 2016 stehen in Österreich für werdende Eltern grundsätzlich vier Varianten des pauschalen Kinderbetreuungsgeldes zur Auswahl sowie die Möglichkeit des einkommensabhängigen Kinderbetreuunsgeldes.

Pauschale Kinderbetreuungsgeldmodelle

  • Variante 30+6
    Dieses Pauschale ist die längste zur Verfügung stehende Variante. Ist durchgehend nur ein Elternteil in Karenz, erhält man bis zum vollendeten 30. Lebensmonats des Kindes pro Tag 14,53 EUR. Das wären pro Monat rund 436 Euro. Wird die Dauer der Karenz auf beide Eltern aufgeteilt, ist diese bis zur Vollendung des 36. Lebensmonats des Kindes möglich. Bei Mehrlingsgeburten steht den Eltern für jedes weitere Kind 7,27 Euro täglich zu.
  • Variante 20+4
    Entscheidet man sich für diese Form des Kinderbetreuungsgeldes erhält man pro Monat rund 624 Euro. Das entspricht einem Tagsatz von 20,80 Euro. Für Mehrlinge erhält man für jedes weitere Kind zusätzlich 10,40 Euro pro Tag. Wir die Karenz von beiden Elternteilen in Anspruch genommen erhält man bis zum vollendeten 2. Geburtstag des Kindes diesen Einkommensersatz. Sonst ist dies nur bis zum Ende des 20. Lebensmonats möglich.
  • Variante 15+3
    Bei diesem Modell handelt es sich um die zweitkürzeste Variante. Hier erhält der antragstellende Elternteil täglich 26,60 Euro, also monatlich rund 800 Euro, bis zum vollendeten 15. Lebensmonat des Kindes. Entscheidet sich auch der zweite Elternteil sich karenzieren zu lassen erhält man diese Leistung bis zum vollendeten 18. Lebensmonat des Kindes. Für Mehrlingskinder beträgt der Zuschuss 13,30 Euro pro Tag.
  • Variante 12+2
    Bei der kürzesten Variante erhält man rund 1.000 monatlich (33,00 pro Tag) bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres des Kindes. Entscheidet sich der zweite Elternteil ebenfalls für eine Karenz ist eine Verlängerung bis zum vollendeten 14. Lebensmonat des Nachwuchses möglich. Für jedes Mehrlingskind erhält man in diesem Model pro Tag 16,50 Euro.

Einkommensabhängiges Kinderbetreuungsgeld

Bei der Variante des einkommensabhängigen Kinderbetreuungsgeldes ( Karenzgeld) erhält der Antragsteller 80% seiner Einkünfte im Jahr vor der Geburt des Kindes. Dieser Betrag ist mit einem Tagsatz von 66 Euro täglich bzw. rund 2.000 Euro im Monat limitiert.

Ein Elternteil hat während seiner Karenz bis zum vollendeten ersten Geburtstag des Kindes Anspruch auf diesen Einkommensersatz. Wird die Karenz zwischen den Eltern aufgeteilt, verlängert sich dieser Zeitraum auf 14. Monate. Für den zweiten Elternteil erfolgt die Berechnung des Tagsatzes separat anhand dessen Einkommens. Für Mehrlingskinder ist in diesem Modell kein gesonderter Zuschlag vorgesehen.

Des Weiteren gibt es beim einkommensabhängigen Kinderbetreuungsgeld noch weitere Anspruchsvoraussetzungen:

  • Es müssen in erster Linie alle Voraussetzung erfüllt werden, wie sie auch beim pauschalen Kinderbetreuungsgeld gefordert werden.
  • Der Elternteil, der Kinderbetreuungsgeld bezieht muss sich in den letzten sechs Kalendermonaten vor der Geburt des Kindes durchgehend in einem Dienstverhältnis befunden haben, das heißt tatsächlich in Österreich sozialversicherungspflichtig erwerbstätig gewesen sein.
  • Außerdem darf man in den letzten sechs Monaten kein Arbeitslosengeld erhalten haben.

Welche Zuverdienstgrenzen gibt es?

Entscheidet man sich für eines der vier pauschalen Kinderbetreuungsgeld-Modelle beträgt die individuelle Zuverdienstgrenze pro Kalenderjahr für den beziehenden Elternteil 60% der Letzteinkünfte vor der Geburt des Kindes. Dieser Betrag darf jedoch mindestens 16.200 Euro ausmachen.

Beim einkommensabhängigen Modell ist die Zuverdienstgrenze mit einem Betrag von 6.400 Euro pro Kalenderjahr festgelegt. Auch hier ist es jedoch möglich zumindest einer Beschäftigung auf geringfügiger Basis nachzugehen.
Werden die gesetzlich vorgeschriebenen Zuverdienstgrenzen überschritten, muss übersteigende Betrag zurückgezahlt werden.

Ist das gewählte Modell für die Dauer der Karenz ausschlaggebend?

Nein, das Kinderbetreuungsgeldmodell muss nicht zwingend mit der mit dem Dienstgeber vereinbarten Karenzzeit übereinstimmen. Es ist unter anderem möglich sich vom Dienstgeber bis zum zweiten Geburtstag des Kindes karenzieren zu lassen und trotzdem das pauschale Modell 12+2 zu wählen. Die monatliche Zahlung des Kinderbetreuungsgeldes endet nach dem ersten Geburtstag des Kindes automatisch. Der sich in Karenz befindende Elternteil kann sich anschließend mit dem Partner mitversichern lassen.

Die gesetzliche Karenz kann bis zum zweiten Geburtstag des Kindes vereinbart werden. Möchte man nach dieser Zeit zu seinem Arbeitsplatz zurückkehren, befindet man sich für vier Wochen im Kündigungs- und Entlassungsschutz. ACHTUNG: Vereinbart man mit dem Dienstgeber unter anderem eine Karenz von drei Jahren, untersteht der Dienstnehmer bei seiner Rückkehr nicht der vierwöchigen Behaltefrist.

Ab wann und wo kann Kinderbetreuungsgeld beantragt werden?

Das Kinderbetreuungsgeld (Karenzgeld)  kann ab dem Tag der Geburt des Kindes beim zuständigen Krankenversicherungsträger, bei dem während des Mutterschutzes Wochengeld bezogen wurde, mittels dem dafür vorgesehen Formular beantragt werden.

Des Weiteren kann das Kinderbetreuungsgeld bis zu sechs Monate rückwirkend in Antrag gestellt werden. Entscheiden sich die Eltern die Zeit der Karenz aufzuteilen, muss auch der ein separater Antrag auf Kinderbetreuungsgeld vom anderen Elternteil eingebracht werden.

Wissenswertes:
• Während des Bezuges von Kinderbetreuungsgeld ist der betroffene Elternteil kranken- als auch pensionsversichert.
• Verliert man im Anschluss seiner Karenzzeit seinen Arbeitsplatz hat man Anspruch auf Arbeitslosengeld.
• Es lohnt sich mittels der diversen Kinderbetreuungsgeld-Vergleichsrechner, die unter anderem vom österreichischem Bundesministerium für Familien und Jugend angeboten werden, sich ein erstes Bild von der persönlichen Situation zu machen.
• Kinderbetreuungsgeld kann immer nur für das jüngste Kind bezogen werden.
• Das Kinderbetreuungsgeld endet spätestens nach Ablauf des höchstmöglichen Bezugszeitraums oder aber auch mit der Geburt eines weiteren Kindes. Für jedes neugeborene Kind muss ein erneuter Antrag auf Kinderbetreuungsgeld eingebracht werden.

Quellen und weitere Informationen

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