Privat Haftpflicht Versicherung in Österreich im Überblick

Die private Haftpflichtversicherung ist eine freiwillige Versicherung, die den Versicherungsnehmer vor etwaigen Forderungen Dritter schützt. Liegt eine solche Versicherung nicht vor, muss für diese Schäden laut Bürgerlichem Gesetzbuch aus eigener Tasche, und zwar in voller Höhe, eingestanden werden.

Das Hauptproblem hierbei ist, dass den meisten unter uns nicht vollends bewusst ist, welche finanziellen Belastungen auf einen zukommen können, wenn eine dritte Person oder Sache fahrlässig verletzt wird. Stößt man beispielsweiße beim Einkaufen jemanden aufgrund eines Missgeschickes mit dem Einkaufswagen zu Boden, so kann dieser, neben Schadenersatzforderungen, bei grober Fahrlässigkeit auch Schmerzensgeld verlangen.

Extrem teuer wird es vor allem dann, wenn die Verletzungen so schwer sind, dass der Betroffene seine berufliche Tätigkeit nur mehr eingeschränkt oder gar nicht mehr ausüben kann. In diesem Fall besteht die Gefahr, dass eine lebenslange Rente verlangt wird.

Was bedeutet der Begriff Haftpflicht?

Wie schon erwähnt, darf man sich von der Bezeichnung der Versicherung nicht täuschen lassen – es handelt sich hierbei um eine freiwillige Versicherung. Der Name rührt lediglich daher, dass man für die Schäden, die durch die Versicherung abgedeckt werden, haftet. Man ist also gesetzlich dazu verpflichtet, für einen verursachten Schaden aufzukommen.
Grundsätzlich gilt, dass der Schaden im privaten Bereich entstanden sein muss. Verletzt man also beispielsweise einen Arbeitskollegen am Arbeitsplatz, fällt dies nicht unter den Versicherungsschutz der privaten Haftpflichtversicherung.

Welche Schäden werden durch die Haftpflichtversicherung abgedeckt?
Abgedeckt sind außerdem ausschließlich fahrlässig entstandene Schäden durch die Versicherten und die Mitversicherten.

Fahrlässig handelt nach geltender rechtlicher Definition, wer die Sorgfalt außer Acht lässt, zu der er nach den Umständen verpflichtet und nach seinen geistigen und körperlichen Verhältnissen befähigt ist und die ihm zuzumuten ist. Unachtsamkeit geht jedoch mit menschlichem Verhalten einher und lässt sich meist nicht komplett vermeiden.

Wichtig: Auf Sorgfalt achten
Wer beispielsweise seine Tasche im Restaurant so platziert, dass eine andere Person darüber stolpert und sich in Folge dessen verletzt, lässt bereits die notwendige Sorgfalt außer Acht. Dies zeigt, wie essentiell dieser Schutz für Privatpersonen ist, denn einfache Missgeschicke passieren auch aufmerksamen Personen.

Höhe der gesetzlichen Haftung
Doch nicht nur die Schadensrisiken, sondern vor allem auch die Tatsache, dass Haftungsgrenzen im Allgemeinen nicht vorgesehen sind und so die Höhe der gesetzlichen Haftung meist keine Grenzen kennt, zeigt die Notwendigkeit einer privaten Haftpflichtversicherung auf.

Das System der Haftpflichtversicherung

Da sich die einzelnen Anspruchsgrundlagen, auf denen die jeweilige gesetzliche Haftung beruhen kann. unterscheiden, haben sich unterschiedliche Arten der Haftpflichtversicherung entwickelt.

Unterschieden wird zwischen:

  • der privaten Haftpflichtversicherung
  • der Kfz-Versicherung
  • der Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht
  • der Tierhalterhaftpflicht
  • der Produkthaftpflicht
  • der Vermögenshaftpflicht usw.

Diese Versicherungen decken jeweils nur bestimmt abgegrenzte Bereiche des Alltages ab. Sie sind einander zwar ähnlich, jedoch ist das Abschließen mehrerer Haftpflichtversicherungen durchaus empfehlenswert, da sie einander ergänzen und nicht überschneiden.

Eltern haften für ihre Kinder
Aus Sicht der Geschädigten muss man hier leider betonen, dass Eltern keineswegs immer für den Schaden haften, den ihre Kinder verursachen.

Dies gilt lediglich dann, wenn die elterliche Aufsichtspflicht verletzt wurde und dies ist mitunter schwer nachzuweisen. Zudem gilt, dass Kinder, natürlich je nach Altersgruppe, auch nicht rund um die Uhr beaufsichtigt werden müssen.

Auch das aufgestellte Schild „Eltern haften für ihre Kinder“ führt nicht zur Umgehung dieser gesetzlichen Vorschriften. Zusammengefasst muss also beachtet werden, dass es äußerst selten der Fall ist, dass Eltern tatsächlich für ihre Kinder haften.

Sollte dies jedoch der Fall sein, da die gesetzliche Aufsichtspflicht tatsächlich verletzt wurde, so werden auch die dadurch entstandenen Ansprüche von der privaten Haftpflichtversicherung abgedeckt. Schließlich gehören Kinder des Versicherten zum Kreise der mitversicherten Personen.

Der Versicherungsvertrag

Grundsätzlich gilt, dass für jeden Versicherungsabschluss eine genaue Studie des Vertrages essentiell ist.

Auch das Kleingedruckte will gelesen werden, um wichtige Punkte wie der, dass beispielsweise innerhalb einer Woche nach dem Schadensereignis der Schaden bei der Versicherung gemeldet sein muss, nicht zu übersehen.
Zu beachten ist außerdem noch der genaue Beginn und das Ende der Versicherung sowie die Einhaltung der Beitragszahlungen. Will man beispielsweise den Vertrag kündigen, müssen vorgegebene Kündigungsfristen eingehalten werden.

Verletzung von Obliegenheiten

Bei laufender Versicherung treffen den Versicherungsnehmer nicht nur die herkömmlichen Obliegenheiten wie die Beitragszahlung. In vielen Fällen besteht beispielsweise auch die Pflicht neue Risiken anzuzeigen. Wird dies unterlassen, hat das je nach Police häufig zur Folge, dass ein Schaden, der durch das neu hinzugekommene Risiko entsteht, nicht von der Versicherung beglichen wird.

Welche Nachteile ergeben sich?
Werden Obliegenheiten des Versicherungsnehmers von diesem verletzt, so hat das meist sehr weitreichende Nachteile. Verstößt er beispielsweise gegen gewisse vorvertragliche Informationspflichten, so kann der Versicherer sogar vom Vertrag komplett zurücktreten, was den Versicherungsschutz rückwirkend vollkommen aufhebt.

Werden Obliegenheiten beim Schadensfall verletzt, so kann die Versicherungsleistung gemindert werden. Auch wenn ein Schaden vorsätzlich begangen wird, fällt der komplette Versicherungsschutz weg.

Kündigung der Haftpflichtversicherung
Die Versicherung kann gekündigt werden, wenn

  • die Versicherungsgesellschaft den Beitrag erhöht,
  • es zu einem Schadensfall kommt,
  • Verträge mit mehr als drei Jahren Laufzeit das Ende des 3. Vertragsjahres erreichen.
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Wichtig: Rechtzeitig wechseln bei schlechten/teuren Tarifen für die private Haftpflicht-Versicherung

Leistung der Privathaftpflichtversicherung

Beim Entstehen eventueller Schadenersatzforderungen muss dies sofort der Haftpflichtversicherung mitgeteilt werden. Diese prüft in weiterer Folge, ob überhaupt eine Verpflichtung zur Leistung von Schadenersatz besteht – und falls ja, in welcher Höhe diese vorliegt.

Die Versicherung übernimmt dann nicht nur die Deckung zu Recht bestehender Schadenersatzansprüche, sondern wehrt auch solche, die unbegründet sind ab. Die Kosten, die durch einen eventuellen notwendigen Rechtsstreit entstehen, werden ebenfalls übernommen.

Wichtig: Achten Sie auf die Höhe der Kostendeckung!

Zu beachten ist allerdings, dass die Kostendeckung sich nur auf die vorher vereinbarte Höhe bezieht.

Im Schnitt sind die meisten Personen lediglich um eine Summe von etwa € 1,500.00 versichert. Sollte es also beispielsweise zu einem Rechtsstreit kommen, kann mit großer Wahrscheinlichkeit behauptet werden, dass diese Summer lediglich einen Bruchteil der Gesamtkosten darstellt.

Welche Risiken werden von der privaten Haftpflichtversicherung abgedeckt?
Die private Haftpflichtversicherung versichert, wie schon erwähnt, typische Risiken des Alltags. Versichert sind zusätzlich jedoch auch die

  • Haftung aus Haus- und Wohnungsbesitz
  • Haftung aus Sportausübung
  • Haftung aus Tierhaltung usw.

Wichtig: Eingeschränkten Schutz beachten!

Für diese Bereiche gilt jedoch ein lediglich eingeschränkter Schutz.

Beachtet werden muss außerdem, dass die Versicherungsgesellschaften ihre Leistungspflichten etwa in folgenden Fällen ausschließen:

  • Schäden durch verlorene Schlüssel,
  • Schäden durch Verstöße gegen das Urheberrecht oder
  • Schäden durch Verstöße gegen das Namensrecht.

Wer zählt zum versicherten Personenkreis?
Die private Haftpflichtversicherung umfasst alle im Haushalt lebenden Personen sowie Kinder, die ihrer Ausbildung auswärts nachgehen. Ab dem 25. Lebensjahr gilt jedoch, dass sich junge Erwachsene um eine eigenständige Haftpflichtversicherung kümmern müssen. Details dazu gibt es im Ratgeber zur Absicherung für Studenten und Azubis zum Nachlesen – Informieren Sie sich vorab! Durch eine klare Information über die genauen Versicherungs-Bedingungen und Details lassen sich in weiterer Folge auch Kosten fahren.

Wichtig: Absicherung auch für Haus-Angestellte

Wer ist noch mitversichert?
Ebenfalls mitversichert sind eventuell vorhandene Hausangestellte.Für diese gilt allerdings, dass nur jene Schäden abgedeckt sind, die, während diese Angestellten für den Haushalt tätig waren, entstanden sind.

Dies bedeutet weiterhin, dass Hausangestellte für den privaten Bereich eine eigene Haftpflichtversicherung benötigen.

Tipp: Auch für einen Single-Haushalt lohnt sich die private Haftpflichtversicherung!
Dieser begünstigte Versicherungsschutz für Familien soll jedoch keineswegs heißen, dass sich der Abschluss der Versicherung für einen Singlehaushalt nicht auszahlen würde.

Im Grunde genommen werden auch hier die herkömmlichen Haftungsrisiken des Alltages abgesichert, der Versicherungsschutz bezieht sich jedoch lediglich auf eine Person.
Besondere Tarife gibt es außerdem noch für Senioren, für die Ausübung von Freizeitsport, für die Ausübung eines Ehrenamtes, für Selbständige und Freiberufler oder für Studenten und Auszubildende.

Geltungsbereich der Privathaftpflicht
Nicht außer Acht gelassen werden darf, dass die Versicherung das Produkt eines Unternehmens ist, das auf die Gewinnerzielung ausgerichtet ist. Der Versicherungsschutz weist somit Grenzen auf, die von Anfang an zu beachten sind.

Wichtig: Vorsätzliche Schäden werden nicht bezahlt!
Grundsätzlich gilt natürlich immer: Wer vorsätzlich schädigt, bleibt ungeschützt! Doch auch grobe Fahrlässigkeit ist gefährlich, denn in diesem Fall kann die Versicherungsleistung meist gekürzt werden. Zu diesen allgemeinen Bestimmungen kommt natürlich immer noch, dass die Versicherungen meist zwischen Basisschutz und Premiumschutz unterscheiden.

Daraus ableitbar ist dann das allgemein gültige Prinzip: Wer bereit ist, höhere Beiträge zu bezahlen, bekommt einen weitreichenderen Versicherungsschutz.

Welche Leistungen werden ausgeschlossen?
Es gibt aber auch eine Reihe von allgemeinen Leistungsausschlüssen, die trotz hoher Beitragszahlungen jeden Versicherten treffen. Beispiele sind hier Mietsachschäden oder auch Ansprüche, die Familienangehörige gegeneinander erheben.

Versicherungsrecht und die private Haftpflichtversicherung

Nicht unterschätzt werden darf die Anzahl der Fälle, in denen es im Schadensfall zum Konflikt zwischen Versicherungsnehmer und Versicherung kommt. Ursächlich dafür kann beispielsweise die Tatsache sein, dass die Versicherung im Handeln des Versicherten grobe Fahrlässigkeit erkennt und somit den Versicherungsschutz einschränkt.

Vorkommen kann auch, dass das Versicherungsunternehmen gänzlich einen Schadensausgleich verweigert, da der Schaden angeblich einen vom Versicherungsschutz ausgeschlossenen darstellt.

Tipp: Beratung suchen bei Versicherungs-Streitigkeiten
Bei Problemen mit der eigenen Haftpflichtversicherung ist grundsätzlich ratsam, dass man sich, noch bevor man den Weg zum Anwalt aufnimmt, an hierfür zuständige Organisationen oder Verbände wendet.

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