Urlaubsanspruch in Österreich berechnen – Wie viel Urlaub kann ich nehmen?

Der nachfolgende Ratgeber Text soll den Leser über das Thema Urlaubsanspruch in Österreich informieren und allgemein aufzeigen, ab wann ein österreichischer Arbeitnehmer Urlaub bekommt und ob beziehungsweise wann dieser verjährt. Ebenfalls wird auf die Frage eingegangen, ob Arbeitnehmer das Recht dazu haben, in den Urlaub zu gehen, wann diese das wollen.

Anspruch auf Urlaub – 30 Werktage im Jahr

Grundsätzlich hat jeder Österreicher beziehungsweise jeder Arbeitnehmer, der in Österreich eine berufliche Tätigkeit ausübt, das Recht auf Urlaub. Die Länge desselben richtet sich dabei zunächst nach der bereits geleisteten Gesamtarbeitszeit des Arbeitnehmers für den Arbeitgeber.

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Wichtig: Urlaub rechtzeitig planen und mit dem Arbeitgeber absprechen!
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Es gilt, dass Arbeitnehmer ab einem vollen Arbeitsjahr, in dem diese bei dem jeweiligen Arbeitnehmer beschäftigt waren, jeweils 30 Werktage (inklusive Samstage) oder 25 Arbeitstage frei bekommen. Wichtig ist zu wissen, dass das Arbeitsjahr genau an dem Tag beginnt, an dem der Arbeitnehmer tatsächlich die Arbeit in dem Unternehmen aufgenommen hat.

Allerdings gibt es einige Betriebe in Österreich, die nicht das Arbeits-, sondern das Kalenderjahr im Hinblick auf das Recht auf Urlaub nutzen. Doch wie verhält es sich bei Arbeitnehmern, die (deutlich) weniger als ein Arbeits- beziehungsweise Kalenderjahr bei einem Unternehmen beschäftigt sind? Mehr dazu im folgenden Absatz.

Wann entsteht der Anspruch auf Urlaub?

Für alle Arbeitnehmer Österreichs, die weniger als ein Arbeits- beziehungsweise Kalenderjahr in einem Betrieb angestellt sind, gilt, dass diese ebenfalls einen Anspruch auf bezahlten Urlaub haben. Nichtsdestotrotz, verhält es sich so, dass Arbeitnehmer, die erst seit zwei Wochen mit der Arbeit in einem Unternehmen begonnen haben, dementsprechend nur einen Anspruch auf ungefähr einen Arbeits- beziehungsweise Werktag Urlaub haben.

Befindet sich der Arbeitnehmer dagegen bereits seit einem Monat in dem Betrieb, so verdoppelt sich der Anspruch auf bezahlten Urlaub.

Wissenswert ist, dass der Anspruch auf den gesamten Jahresurlaub bereits ab Beginn des siebten Monats des Beschäftigungsverhältnisses gegeben ist und dass der gesamte Jahresurlaub ab dem Beginn des zweiten Jahres des Beschäftigungsverhältnisses stets mit dem Beginn des neuen, kommenden Arbeitsjahres entsteht. Zu Recht fragen sich viele Arbeitnehmer, ob der Urlaub verjährt. Mehr dazu erfährt der Leser im nächsten Absatz dieses Ratgebers Textes.

Verjährt der Urlaub mit dem Laufe der Zeit?

Die Antwort auf diese Frage ist „ja“. Insgesamt haben Arbeitnehmer in Österreich drei Jahre Zeit, ihren Urlaub zu verbrauchen. Das bedeutet, dass der Urlaub beziehungsweise der Anspruch auf denselben nach zwei Jahren ab Ende des jeweiligen Urlaubsjahres verjährt.

Offene Urlaubstage sollten dementsprechend vor dem Ablauf der Verjährungsfrist wahrgenommen werden, damit diese nicht verfallen. Zu erwähnen ist an dieser Stelle außerdem, dass die bereits verbrauchten Urlaubstage stets von den „ältesten“ noch offenen Urlaubstagen abgezogen werden.

Wissenswert für Eltern ist, dass, sollten diese in Elternkarenz gehen, dass sich so die Verjährungsfrist um die Dauer derselben verlängert. Hier geht also kein Urlaub verloren.

Wer entscheidet, wann Urlaub gemacht wird?

Grundsätzlich lässt sich zunächst festhalten, dass der Arbeitnehmer nicht alleine entscheiden kann, wann dieser den Urlaub macht.

Der Arbeitnehmer muss das Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen und einen Urlaub vereinbaren. Das ist auf organisatorische Gründe zurückzuführen, denn ginge jeder Mitarbeiter eines Unternehmens in den Sommermonaten in den Urlaub, so stünde beispielsweise die Produktion still und die unternehmerische Tätigkeit kommt zum Stillstand. Zu empfehlen ist es, die Vereinbarung über den Urlaub immer schriftlich zu schließen beziehungsweise festzuhalten.

Nichtsdestotrotz, hat der Arbeitgeber im Normalfall nicht das Recht, einen bereits vorher genehmigten Urlaub zu streichen. Kommt es jedoch zu einem Betriebsnotstand oder treten andere wichtige wirtschaftliche Vorkommnisse ein, so kann auch ein bereits genehmigter Urlaub kurzfristig gestrichen werden. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Anspruch verloren geht, sondern der Urlaub lediglich zu einem anderen Zeitpunkt erteilt wird.

Für Arbeitnehmer wichtig ist, dass diese wieder pünktlich zum Ende des Urlaubs beziehungsweise zum Arbeitsbeginn nach demselben wieder an ihrem Arbeitsplatz die Tätigkeit aufnehmen. Eigenmächtig entschiedene Urlaubsverlängerungen stellen in Österreich einen berechtigten Kündigungsgrund dar. Ist ein außergewöhnliches Ereignis der Auslöser für das zu späte Erscheinen auf der Arbeit, beispielsweise, weil Fluglotsen gestreikt haben, so muss dieses dem Arbeitgeber schriftlich mitgeteilt werden. Wird dies nicht getan, so wird von dem Verschulden des Arbeitnehmers ausgegangen – ein Kündigungsgrund.
Außerdem ist es nicht möglich, dass der Arbeitgeber entscheidet, wann ein Arbeitnehmer in den Urlaub zu gehen hat. Mit anderen Worten ist ein durch den Arbeitgeber verhängter Zwangsurlaub rechtswidrig.

Geld statt des Urlaubs und Arbeiten im Urlaub?

In der heutigen Zeit des Internets und der ständigen Vernetzung und Erreichbarkeit, ist es besonders wichtig, im Urlaub abschalten und entspannen zu können. Verlangt der Vorgesetzte von dem Arbeitnehmer, dass dieser auch innerhalb des Urlaubs für vermeintlich wichtige Fragen, etc. zu erreichen ist, so kann und sollte dies abgelehnt werden.

Ein Kündigungsgrund entsteht daraus nicht. Außerdem ist es gesetzlich verboten, dass Arbeitgeber und –nehmer eine Summe vereinbaren, die statt des Urlaubs in Anspruch genommen wird. Kommt es jedoch dazu, dass ein Arbeitnehmer aus der Firma ausscheidet, so muss diesem der noch nicht konsumierte Urlaub in Form von Geld bezahlt werden.
Abschließend soll nun auf zwei Sonderfälle eingegangen werden: den Teilzeit- und geringfügig Beschäftigten sowie auf den Urlaubsanspruch von Arbeitnehmer, die besonders lange beruflich tätig sind.

Weitere Informationen: langgediente Arbeitnehmer und Teilzeit- und geringfügig Beschäftigte

Wissenswert ist, dass auch Arbeitnehmer, die sich in einem Teilzeitarbeitsverhältnis befinden oder einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen, ebenfalls einen Anspruch auf bezahlten Urlaub von fünf Wochen haben.
Für Arbeitnehmer, die besonders lange beruflich tätig sind, gibt es allerdings eine Sonderregelung, die hier ebenfalls erwähnt werden soll. Eine zusätzliche Urlaubswoche erhalten die Arbeitnehmer ab dem 26. Anrechenbaren Arbeitsjahr, sodass diese insgesamt sechs Wochen Urlaub pro Jahr genießen können.

Wichtig ist hier, dass die Arbeitszeit nicht bei ein und demselben Arbeitgeber geleistet werden muss, sondern ebenso die Zeit, die in einem anderen Arbeitsverhältnis beziehungsweise anderen Arbeitsverhältnissen innerhalb der Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) gearbeitet wurde, angerechnet wird. Allerdings müssen diese Beschäftigungsverhältnisse mindestens sechs Monate angedauert haben und es werden maximal fünf Jahre angerechnet.

Abgesehen davon werden auch vier Schuljahre angerechnet, allerdings nur diese, die über die Pflichtschulzeit von neun Jahren hinausgehen. Des Weiteren werden bis zu fünf Jahre der Studienzeiten an einer Hochschule angerechnet, jedoch nur, wenn das Studium erfolgreich abgeschlossen wurden. Neben der Zeit, die an einer Universität studiert wurde, wird auch die, die an einer Fachhochschule verbracht wurde, angerechnet.

Abschließendes Fazit zum Thema Urlaubsanspruch in Österreich

Jeder Arbeitnehmer in Österreich hat einen Anspruch auf fünf Urlaubswochen, jedoch erst, wenn ein volles Arbeits- beziehungsweise Kalenderjahr in dem Unternehmen gearbeitet wurde. Auch geringfügig Beschäftigte und Teilzeitbeschäftigte freuen sich über fünf Wochen Urlaub. Langgediente Arbeitnehmer können sich sogar über sechs Urlaubswochen pro Arbeitsjahr freuen, dafür müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.

Wichtig, ist, dass der Urlaub stets bei dem jeweiligen Arbeitgeber beantragt und innerhalb der Verjährungsfrist wahrgenommen wird. Eine Verlängerung des Urlaubs darf ohne die ausdrückliche Einverständniserklärung des Arbeitgebers nicht durchgeführt werden, diese stellt einen berechtigten Kündigungsgrund dar. Arbeitnehmer müssen während des Urlaubs nicht für den Arbeitgeber erreichbar sein, der Urlaub dient schließlich dem Zweck des Entspannens, um anschließend wieder leistungsfähig und erholt weiter arbeiten zu können.

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