Endstation Burnout: Symptome, Therapie & Behandlungsdauer, Arbeitsrecht

Der Burnout (Ausgebranntsein) ist ein Oberbegriff, der die unterschiedliche Ausprägung einer persönlichen Krise als Reaktion auf Stress kennzeichnet. Burnout-Symptome können wegen dieser unterschiedlichen Ausprägung verschieden ausfallen.

Ursächlich für den Burnout ist sehr oft eine Überlastung am Arbeitsplatz, jedoch können auch nicht berufstätige Personen betroffen sein, wenn sie durch verschiedene Anforderungen (oft familiärer Natur) sehr stark belastet werden.

Ein Burnout als Krankheitsbild ähnelt sehr der Depression und zeigt sehr ähnliche Symptome, jedoch trennt die Medizin diese beiden Krankheitsbilder wegen des endogenen (vererbten) Faktors bei Depressionen.

Diese können auch ohne Überlastung auftreten (oft zyklisch), während ein Burnout auch Menschen treffen kann, die keine endogene Veranlagung zur Depression haben. In Österreich schätzt man eine Zahl von rund 500.000 Betroffenen.

Wie ist das grundlegende Krankheitsbild beim Burnout zu beschreiben?

Das vorherrschende Grundgefühl ist Erschöpfung. Diese führt allmählich zur Anhedonie (Unfähigkeit, Freude zu empfinden), was als Symptom auch von der Depression bekannt ist. Die Erschöpfung betrifft sehr stark den emotionalen Bereich und senkt allmählich die kognitive und physische Leistungsfähigkeit. Betroffene fühlen sich daher auch bei alltäglichen Aufgaben wie der Morgentoilette oder dem Zubereiten einer Mahlzeit überfordert.

Burnout – Erste Symptome und Anzeichen

Sie sind mit ihren Leistungen andauernd – zu Recht oder zu Unrecht – unzufrieden. Die ersten Frühsymptome sind oft unauffällig, sie zeigen sich zum Beispiel in der Lustlosigkeit, noch einem beliebten Hobby nachzugehen oder mit der Familie etwas zu unternehmen.

Unbehandelt und ohne Änderung der Arbeits- und Lebensweise mündet der Burnout in Verzweiflung. Wenn die Person dieser Verzweiflung mit Drogen begegnet, besteht Lebensgefahr, es droht ein nur scheinbar unbeabsichtigter Unfall, alternativ kommt es zum Suizid. Darüber hinaus kann der Burnout die völlige Arbeitsunfähigkeit verursachen.

Stockfoto-ID: 279750826 Copyright: Natali_Mis, Bigstockphoto.com

Wichtig: Rechtzeitig die Arbeitsbelastung reduzieren und reagieren!
Stockfoto-ID: 279750826
Copyright: Natali_Mis, Bigstockphoto.com

Welche arbeitsrechtlichen Auswirkungen hat ein Burnout?

Aufgrund der Leistungseinschränkung beim Burnout fällt es den Betroffenen extrem schwer, juristisch vernünftig mit der Erkrankung umzugehen. Diese ist als Krankheitsbild ohnehin stigmatisiert, das Umfeld und die Betroffenen selbst betrachten sie als reine Schwäche.

Krankschreibung bei Burnout durch den Arzt

Eine Krankschreibung ist allerdings unausweichlich, allein schon weil die betroffene Person gar nicht mehr leistungsfähig ist, Fehler machen sowie an Maschinen oder auf dem Arbeitsweg verunfallen könnte.

Diese Unfälle können andere Verkehrsteilnehmer, Kollegen und Einrichtungen bzw. Anlagen des Unternehmens schwer schädigen, weshalb verantwortungsbewusstes Handeln gefragt ist. Der Arbeitnehmer darf aber nicht einfach sagen, er/sie könne nun nicht mehr und müsse daher einige Tage daheim bleiben. Das hilft ohnehin nicht viel, weil die Ursachen von Burnout sehr tief sitzen und einer Analyse bedürfen.

Der Arbeitnehmer benötigt daher eine offizielle Krankschreibung. Er kann sich hierfür einen Arzt seines Vertrauens suchen und ist nicht verpflichtet, den Arbeitgeber im Detail über das Krankheitsbild aufzuklären. Auch darf der Arbeitgeber ihn nicht zwingen, den Betriebsarzt aufzusuchen.

Mit der Krankschreibung zahlt der Arbeitgeber das Entgelt wie folgt weiter:

  • unter 5 Jahre Betriebszugehörigkeit: 6 Wochen
  • 5 – unter 10 Jahre Betriebszugehörigkeit: 8 Wochen
  • 10 – unter 25 Jahre Betriebszugehörigkeit: 10 Wochen
  • ab 25 Jahre Betriebszugehörigkeit: 12 Wochen

In den genannten Fristen zahlt der Arbeitgeber 100 %, weitere vier Wochen lang 50 %. In dieser Zeit springt auch die Krankenkasse mit 50 % ein. Danach zahlt sie weiter bis maximal 78 Wochen und maximal 75 % des letzten Verdienstes, allerdings liegen die meisten Zahlungen bei 50 – 60 %. Der Arbeitgeber muss bei der Entgeltfortzahlung übliche Verdienste wie Provisionen oder regelmäßige Überstunden berücksichtigen.

Er darf auch einen kranken Mitarbeiter unter Einhaltung der gesetzlichen Fristen kündigen. Darüber hinaus ist eine fristlose Kündigung möglich, wenn sich der kranke Arbeitnehmer nicht so verhält, wie es in diesem Fall zu erwarten wäre, also beispielsweise oft unterwegs ist, was Kollegen oder vom Arbeitgeber beauftragte Detektive möglicherweise beobachten.

Wenn das der Fall ist, muss der Arbeitnehmer, der sich gegen die Kündigung gerichtlich wehrt, sein Krankheitsbild offenlegen. Der Hintergrund: Zur Burnout-Therapie können ausgedehnte Spaziergänge und sportliche Aktivitäten im Freien gehören.

Nach der Genesung äußern viele Arbeitnehmer den Wunsch, weniger und/oder auf einem anderen Posten – zum Beispiel ohne die vorherige Reisetätigkeit – zu arbeiten.

Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, solchen Wünschen nachzukommen. Der Arbeitnehmer müsste sich einen anderen Job suchen, wenn er seine Arbeitsbelastung dringend reduzieren möchte.

Was sind die typischen Burnout-Symptome?

Das Leitsymptom ist die Erschöpfung, die zu verminderter Leistungsfähigkeit führen kann, aber nicht muss. Die verminderte Leistungsfähigkeit ist ein Selbstschutzmechanismus des Organismus, mit dem dieser den gefährlichen Stress lindert.

Wer dagegen ankämpft und weiter volle Leistung anstrebt, gefährdet sich und andere. Bekannt wurde der Fall eines japanischen Angestellten, der nach einem Tag voller Arbeit auf das Dach des Firmengebäudes stieg und in den Tod sprang.

Allerdings sind Menschen bei entsprechendem Ehrgeiz und/oder äußerem Druck kaum imstande, freiwillig ihre Leistung abzusenken. Da sie extrem gestresst und außerdem ausgebrannt sind, fällt es ihnen auch schwer, eine angemessene Gegenstrategie zu entwickeln, nämlich überflüssige Leistungen zu reduzieren.

Das können Leistungen im Haushalt und im Hobbykreis sein. Mit der Familie lässt sich möglicherweise über die Haushaltsarbeit reden, ein Hobby kann immer ausgesetzt werden.

Wichtig wäre das bei folgenden typischen Symptomen:

  • emotionale Erschöpfung, ständige Müdigkeit, teilweise unerklärliche körperliche Schwäche
  • Depersonalisierung = Distanz zu Kollegen, Familienmitgliedern, Kunden, Geschäftspartnern
  • subjektiv starkes Erleben von permanenten Misserfolgen, auch wenn diese Misserfolge entweder nicht gravierend sind oder nichts mit der Leistung der Person, sondern mit zufälligen
  • Umständen zu tun haben
  • Schlaflosigkeit
  • Gereiztheit
  • Aufhebung der normalen sexuellen Beziehung zur Lebenspartnerin / dem Lebenspartner
  • Drogenmissbrauch oder Entwicklung einer nicht stoffgebundenen Sucht wie Shopping, Sport, Glücksspiel, Sex etc.

Der Sex ist bei Menschen, die aus Vernunft gewöhnliche Drogen und auch Glücksspiel, übertriebenen Sport und Kaufrausch meiden, ein guter Indikator. Wenn ein Mann seine Ehefrau auf einmal sexuell vernachlässigt und stattdessen ins Bordell geht oder pornosüchtig wird, kann das ein Burnout-Symptom sein.

Solche Zeichen kann die Umgebung kaum wahrnehmen, daher ist gute Selbstbeobachtung gefragt. Auch Symptome wie die Gereiztheit können sehr subtile Formen annehmen. So könnte eine betroffene Person plötzlich ihre Umgebung mit leisem, aber sehr zynischem Spott überziehen. Das wirkt befremdlich, aber nicht gefährlich. Doch es ist wahrscheinlich ein Burnout-Symptom eines an sonst eher leisen Menschen.

Warum brennt jemand aus?

Die Hauptursache ist Stress, der allerdings tiefe Ursachen haben kann. Diese müssten dann aufgeklärt werden. Es kann jedoch auch Stress durch eine objektive Arbeitsbelastung entstehen, der sich die/der Betroffene einfach nicht entziehen kann, weil sie/er als ältere/r Arbeitnehmer/in einfach keinen anderen Job findet.

Wenn das nicht der Fall ist, wenn also die betroffene Person eine Wahl hätte, sich diesem Stress zu stellen oder zu entziehen, ist nachzufragen, woher ein Ehrgeiz stammt, der bis in den Burnout führt. Hierzu ist die Familiengeschichte aufzuarbeiten. Wichtig ist es für Betroffene, die verschiedene Formen von Stress zu erkennen.

Stress entsteht durch

  • erhöhte Leistungsanforderungen,
  • vermindertes Vermögen, diesen Anforderungen standzuhalten,
  • eine ungünstige Umgebung (physisch, emotional),
  • finanzielle Sorgen,
  • familiäre Sorgen,
  • Krankheiten und
  • eigenen Ehrgeiz, der zur Überforderung führt.

Auf den eigenen Ehrgeiz wird bei Therapieansätzen sehr stark fokussiert. Man möchte den Betroffenen einreden, sie müssten nur ihr Selbstbild und ihre Ziele ändern, um stressärmer leben zu können.

Doch wir dürfen nicht vergessen, dass Arbeitsdruck auch objektiv entstehen kann oder beispielsweise vor dem Haus der betroffenen Person plötzlich nächtlicher Lärm (Licht, Vibrationen, Umweltgifte, Hitze, Kälte) herrscht, der sie nicht richtig schlafen lässt. Das hat rein gar nichts mit einer persönlichen Disposition zu tun.

Wie wird der Burnout diagnostiziert?

Die Fragestellung ist wichtig, weil viele der Symptome denen einer Depression ähneln, die andere Therapieansätze verlangt. Die Burnout-Diagnose setzt daher auf speziell entwickelte Fragebögen (Maslach Burnout Inventory, Trierer Inventar zu chronischem Stress, Copenhagen Burnout Inventory).

Diese erfassen innere Bedingungen des Individuums und äußere (momentane oder dauerhafte) Bedingungen, welche zueinander in Relation zu setzen sind. Die endogene Depression ist differentialdiagnostisch auszuschließen.

Achtung: Es gibt auch eine nicht-endogene und außerdem eine zwar endogene, aber nicht-zyklische Depression. Die Symptome gehen ineinander über. Daher ist der Teil der Untersuchung, der äußere Umstände betrifft, sehr wichtig.

Der entscheidende Unterschied zwischen einer Depression und einem Burnout ist die Abhängigkeit von äußeren Umständen. Depressionen können vollkommen losgelöst von Stressoren auftreten, also im Urlaub bei schönem Wetter, angenehmer Gesellschaft und motivierenden Tätigkeiten – ein Burnout niemals.

Es gibt für ihn immer handfeste äußere Ursachen. Die inneren Bedingungen beeinflussen aber durchaus, die betroffene Person auf die äußeren Ursachen reagiert und ob sie richtig reagiert, wenn sie eine Wahl hat.

Wie sieht die Burnout Therapie aus?

Bei jedem Therapieansatz ist zu hinterfragen, ob die betroffene Person an ihren Umständen im Wesentlichen etwas ändern kann oder nicht. Theoretisch lässt sich immer etwas ändern, doch es könnte mit einem sehr hohen Verlust verbunden sein.

Wer etwa beim Hausbau einen Burnout erleidet, kann dieses Projekt natürlich abbrechen, doch das wäre unzweifelhaft ein Verlust. Die Therapie muss mehrere Felder bearbeiten:

  • Stressreduktion
  • Vermeidung aller Arten von Sucht (chemische Drogen und nicht stoffgebundene Süchte)
  • Hinterfragen der eigenen finanziellen Ziele
  • Aufklärung zum diffusen Krankheitsbild des Burnouts
  • Überprüfung der gegenwärtigen Lebenssituation in Bezug auf berufliche Erfüllung, Finanzen, Partnerschaft, Familie, Freundeskreis, Freizeitaktivitäten
  • planmäßige Änderung der Lebensstrategie hin zu einer gesünderen Lebensführung

Ein rechtzeitig erkannter beginnender Burnout lässt sich aufhalten. Ein erfolgter vollständiger Burnout führt zum irreversiblen Karriereknick.

Deine Meinung ist uns wichtig

*