Das Unternehmensgründerprogramm (UGP) in Österreich – Von der Arbeitslosigkeit in die Selbstständigkeit – Vorteile, Voraussetzungen, Teilnahme

Die Selbstständigkeit scheint für viele Personen eine reizvolle Aufgabe zu sein.

Denn wer ist nicht gerne sein eigener Chef und möchte praktisch nur noch der Arbeit nachgehen, die auch Spaß macht? Zudem können die Verdienstmöglichkeiten als Selbstständiger viel höher sein und mit der Zeit kann das Unternehmen vielleicht sogar expandieren.

In den meisten Fällen ist die Selbstständigkeit aber mit hohen Kosten verbunden. Schließlich muss jede Menge Zeit in die Selbstständigkeit investiert werden und dies bedeutet, dass der bisherige Arbeitsplatz aufgegeben werden muss.

Noch schwieriger wird es, wenn Sie sich gerade in der Arbeitslosigkeit befinden und über kein regelmäßiges Einkommen verfügen. Hier fehlen Ihnen wahrscheinlich die finanziellen Mittel, um in die Selbstständigkeit zu gehen und vielleicht fehlt es auch an dem notwendigen Know-how.

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Wichtig: Vor der Unternehmensgründung genau zum UGP informieren!
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Befinden Sie sich gerade in dieser schwierigen Situation und sind arbeitslos, dann gibt es für Sie in Österreich die Möglichkeit an dem Unternehmensgründungs-Programm teilzunehmen. Dieses unterstützt Sie in der Entscheidung, ein eigenes Unternehmen zu gründen und verhilft Ihnen vielleicht zu dem Erfolg, den Sie schon lange erwarten.

Welche Voraussetzungen müssen Sie erfüllen und welche Unterstützung können Sie erwarten? Hier finden Sie einen umfassenden Überblick über das Unternehmensgründungs-Programm in Österreich.

Was ist das Unternehmensgründungs-Programm?

Das Unternehmensgründungs-Programm (UGP) ist ein Angebot des Arbeitsmarktservices. Normalerweise ist dieses daran interessiert, Arbeitslose in ein Angestelltenverhältnis zu bringen. So soll die Arbeitslosigkeit gesenkt werden und Menschen können Ihren Lebensunterhalt selber aufbringen, ohne auf staatliche Hilfe angewiesen zu sein.

Nicht für alle ist der Weg in das Angestelltenverhältnis allerdings die optimale Entscheidung. Für manche Personen ist langfristig die Perspektive in der Selbstständigkeit günstiger und mit dem eigenem Unternehmen kann ebenfalls der Lebensunterhalt bestritten werden.

Um Menschen aus der Arbeitslosigkeit zu verhelfen, gibt es also im Wesentlichen zwei Wege, die vom Arbeitsmarktservice gefördert werden. Im Rahmen des Unternehmensgründungs-Programmes werden Seminare angeboten, mit denen die Erfolgsrate für die Unternehmensgründung steigt und die Einstiegshürden gesenkt werden. Denn oftmals ist die Selbstständigkeit schwieriger als gedacht und neben den unternehmerischen Hürden gibt es auch von den Behörden einige Einschränkungen. Das Unternehmensgründungs-Programm stellt eine Unterstützung dar, um eine Geschäftsidee zu verwirklichen und ein erfolgreiches Unternehmen zu gründen.

Voraussetzungen für die Teilnahme am Unternehmensgründungs-Programm

Eine der Grundvoraussetzungen für die Teilnahme dieses Förderungsprogramms ist die gemeldete Arbeitslosigkeit. Bei diesem Programm handelt es sich um eine Förderung, die speziell an Arbeitslose gerichtet wird, um diese wieder auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren.

Um an dem Programm teilnehmen zu können muss eine konkrete Geschäftsidee vorliegen. Denn es geht bei dieser Förderung nicht darum, nur aus dem Selbstzweck heraus die Selbstständigkeit zu fördern, sondern es soll ein konkretes Unternehmen und eine Geschäftsidee unterstützt werden. Daher sollten Sie schon genau geplant haben, welche Tätigkeit Ihr Unternehmen nachgehen wird und wie profitabel dies sein kann.

Eine weitere Einschränkung ist, dass das Unternehmen eng mit Ihren Qualifikationen und bisherigem beruflichem Werdegang verknüpft ist. So können Sie nicht einfach ein Unternehmen gründen, dass fernab Ihrer bisherigen beruflichen Qualifikation liegt. Sie können also nicht einfach eine Gaststätte eröffnen, wenn Sie bisher gar keine Erfahrungen in diesem Bereich gemacht haben. Solch ein Verbot der Quereinstiege soll sicherstellen, dass Sie nicht mit der Unternehmensgründung überfordert sind.

Haben Sie allerdings im Rahmen des Arbeitsmarktservice schon an einer Umschulung teilgenommen, dann kann das Unternehmen durchaus an dieses Feld angrenzen. Selbst dann, wenn Sie noch keine praktischen Erfahrungen in diesem Tätigkeitsfeld gewonnen haben.

Im Rahmen des Förderprogramms wird die Geschäftsidee geprüft. Wird diese als nicht rentabel eingeschätzt, wird die Teilnahme an dem Förderprogramm versagt und es muss weiterhin ein anderer Weg gesucht werden, um aus der Arbeitslosigkeit zu gelangen.

Das Unternehmensgründerprogramm ist also ein Service, um vielversprechende Geschäftsideen zu fördern und ein erfolgreiches Unternehmen zu gründen.

Die konkrete Unterstützung des Arbeitsmarktservices

Die Auswahl und der Entscheid, ob die Teilnahme an diesem Förderprogramm ist durchaus streng. Es wird genau geprüft, ob die Geschäftsidee wirtschaftlich rentabel ist und in dieser Vorauswahl fallen schon die meisten Bewerber durch. Sie müssen hier immer im Hinterkopf behalten, dass der Arbeitsmarktservice das Risiko der Förderung übernimmt und langfristig nicht auf den Kosten sitzenbleiben möchte.

Zudem gibt es verschiedene Einschränkungen der unternehmerischen Tätigkeit. Besteht die Geschäftsidee vorrangig daraus, dass neue Mitglieder geworben werden, die dann finanzielle Mittel in das Unternehmen einbringen, dann wird solch eine Idee nicht gefördert. Solche Unternehmungen werden auch als Strukturvertrieb bezeichnet und vom Arbeitsmarktservice kategorisch abgelehnt.

Auch bei dem Versuch als Franchisenehmer sich selbstständig zu machen sind hohe Hürden zu beachten. Hier spielt vor allem die Seriosität des Franchisegebers eine Rolle und es muss genau geprüft werden, ob solch ein Vorgehen rentabel sein könnte oder eher mit zu hohen Risiken verbunden ist.

Die weiteren Phasen des Förderprogramms

Im Rahmen der genauen Prüfung und Förderung der Geschäftsidee werden im groben vier Phasen durchlaufen. Diese sollen sicherstellen, dass Sie in der Lage sind, ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen und dieses langfristig profitabel bleibt.

Die Findungsphase

In der ersten Phase geht es vor allem darum, ein komplettes Konzept aufzubauen und dieses den Beratern des Arbeitsmarktservices vorzulegen. Hierbei geht es im Wesentlichen darum, zu erörtern, ob die Geschäftsidee profitabel erscheint oder ob diese höchstwahrscheinlich nicht erfolgreich sein wird. Gemeinsam mit dem Berater wird dann geprüft, ob die Geschäftsidee und deren Umsetzung realistisch ist.

Hierfür wird das Konzept hinsichtlich dreier Fragen geprüft. An erster Stelle stehen die finanziellen Mittel des Bewerbers. Haben Sie die benötigten finanziellen Reserven, um die Idee selber umzusetzen, dann ist dies ein großer Pluspunkt.

Danach folgt die Prüfung der Fachkompetenz. Haben Sie vielleicht schon berufliche Erfahrungen in diesem Feld gesammelt oder zumindest Aus- oder Weiterbildungen ausgeführt? Mit einer steigenden beruflichen Kompetenz erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit, mit der das Unternehmen langfristig erfolgreich geführt werden kann.

Als dritter Punkt muss die Zukunftsfähigkeit und die Konkurrenz betrachtet werden. Denn das Unternehmen soll sich langfristig am Markt etablieren und nicht nur kurzfristig rentabel sein. Eine Idee, die vielleicht in den nächsten ein bis zwei Jahren noch vielversprechend klingt, kann innerhalb der nächsten fünf Jahre schon komplett überholt sein. Auch eine zu starke Konkurrenz kann eine Bedrohung für das Unternehmen sein und verhindern, dass die Geschäftsidee erfolgreich umgesetzt wird.

Fallen die Antworten auf diese Fragen grundsätzlich positiv aus, dann wird in Zusammenarbeit mit einem Berater des UGP ein Businessplan erstellt. Es geht jetzt also vom groben Konzept in einen detaillierten Plan über.

Die Vorbereitung

Wurde die Geschäftsidee, als positiv empfunden geht es jetzt konkret darum die ersten Schritte zu bewältigen, die für die Unternehmensgründung notwendig sind. Hier werden nun im Rahmen des Förderprogramms Workshops und Seminare angeboten. Diese gehen in der Regel ein bis zwei Tage und vermitteln das Wissen, welches für die Unternehmensgründung notwendig ist.

Denn neben der Umsetzung der eigentlichen Idee und der Fachkompetenz, müssen jetzt auch Kompetenzen im Rahmen der Unternehmensführung aufgebaut werden. Dazu gehört zum Beispiel das Rechnungswesen und das Marketing des Unternehmens.

Die Umsetzung

Wurden genügend Kompetenzen aufgebaut und das Vertrauen in die erfolgreiche Umsetzung des Unternehmens ist gegeben, wird nun das Unternehmen gegründet. Dazu wird im ersten Schritt das Gewerbe angemeldet bzw. gegründet.

Nach der umfangreichen Vorbereitung sollen die Selbstständigen nun selber in der Lage sein das Unternehmen zu führen. Sie können aber dennoch bei Unsicherheiten weiterhin an kostenlosen Beratungsgesprächen teilnehmen. So können Sie offene Fragen beantworten und weiterhin Kompetenzen erwerben.

Die langfristige Betreuung

Unternehmen werden sich immer in verschiedenen Phasen befinden und sowohl gut als auch schlechte Phasen werden immer Bestandteil der Selbstständigkeit bleiben. Gerade die Anfangszeit wird von Unsicherheiten, Zweifel und Rückschlägen geprägt sein.

Innerhalb der ersten zwei Jahre nach der Gründung besteht aber weiterhin das Recht darauf, kostenlose Beratungen wahrzunehmen. So soll während der herausfordernden Anfangszeit eine Unterstützung angeboten werden, damit eine erfolgreiche Basis aufgebaut wird.

Während dieser Zeit besteht weiterhin die Möglichkeit an Workshops und Seminaren teilzunehmen, die vom Arbeitsmarktservice angeboten werden.

Die finanzielle Unterstützung

Neben der fachlichen Kompetenz spielt auch die finanzielle Unterstützung eine große Rolle, wenn es darum geht, ob ein Unternehmen erfolgreich sein wird. Im Rahmen der UGP wird eine finanzielle Unterstützung gewährt in Höhe des zuletzt bezogenen Arbeitslosengeldes.

Damit wird sichergestellt, dass durch die Unternehmensgründung keine zusätzlichen Kosten entstehen. Besteht kein Anspruch auf das Arbeitslosengeld, wird immerhin eine finanzielle Unterstützung zur Bewältigung des Lebensunterhaltes gewährt.

Eine direkte Unterstützung für das Unternehmen gibt es nur innerhalb der ersten zwei Monate in Form der “Gründungsbeihilfe”. Hierbei wird die Zahlung der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft in Höhe des Mindestbeitrages vom Arbeitsmarktservice übernommen. Sie haben also in den ersten beiden Monaten noch etwas mehr Spielraum und haben etwas Zeit, damit das Unternehmen rentabel genug wird, um die Sozialversicherung selber zu zahlen.

Die Programmdauer beträgt in der Regel sechs Monate, kann aber in Ausnahmefällen auch neun Monate andauern. Hier spielen Einzelfälle und die spezifischen Regelungen der Bundesländer eine Rolle.

Fazit

Wenn Sie sich gerade in der Arbeitslosigkeit in Österreich befinden und beim Arbeitsmarktservice gemeldet sind, dann können Sie die Möglichkeit dieses Förderprogramms nutzen, um eine eigene Geschäftsidee erfolgreich umzusetzen.

Wichtig ist hierbei, dass die Geschäftsidee an Ihre bisherige berufliche Karriere anknüpft und die Idee an sich erfolgversprechend ist. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, können Sie das Konzept einem Berater vorschlagen und erkennt dieser das gleiche Potenzial, erhalten Sie zusätzliche Seminare und Workshops.

Dann liegt es nur noch an Ihnen, um dieses Wissen zu nutzen und die Geschäftsidee erfolgreich in die Tat umzusetzen. Somit besteht also eine Alternative aus der Arbeitslosigkeit zu kommen und es muss nicht immer nur das Angestelltenverhältnis sein. Auf diese Weise können Sie sich vielleicht den Traum erfüllen, ein erfolgreiches langfristiges Unternehmen aufzubauen.

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