Erfolgsmodell Zeitarbeit in Deutschland & Arbeitsmarkt im Überblick

Auch fast 30 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung herrscht immer noch ein gewisses Ost-West-Gefälle vor – davon ist auch der Arbeitsmarkt nicht ausgenommen.

Während Bayern beispielsweise im Mai 2019 eine Arbeitslosenrate von nur 2,9 % aufweisen konnte, rangieren die „neuen Bundesländer“ Mecklenburg-Vorpommern (6,9 %) und Sachsen-Anhalt (7,1 %) am anderen Ende der Tabelle.

Die Zahl der festen Beschäftigungsverhältnisse hinkt im „Osten“ zwar den Erwartungen hinterher, bei der sogenannten Zeitarbeit sieht es hingegen anders aus. Der Begriff Zeitarbeit steht für „Arbeiten auf Zeit“ und fußt auf einem Arbeitsvertrag zwischen dem Arbeitnehmer (Leiharbeitnehmer) und einer Verleihfirma, im Regelfall sind das spezialisierte Dienstleister.

Der Verleiher kann den Leiharbeitnehmer befristet bei einem oder mehreren Kunden einsetzen. Zeitarbeit, auch „Arbeitnehmerüberlassung“ genannt, ist allerdings nicht nur auf einfache Tätigkeiten (Hilfsarbeiten) beschränkt, sondern gelangt zunehmend in allen Qualifikationsstufen und Tätigkeitsfeldern zum Einsatz.

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Für die Jobsuche: Zeitarbeit als mögliche Lösung!
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Rechtliche Rahmenbedingungen

Leiharbeitnehmer verfügen grundsätzlich ab dem ersten Tag über dieselben Rechte und Pflichten wie vergleichbare Beschäftige des Unternehmens, in dem sie eingesetzt werden (Entleiher). Das gilt beispielsweise für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder den Urlaubsanspruch.

Ist ein Leiharbeiter über einen längeren Zeitraum bei nur einem Kunden tätig, so steht diesem in der Regel nach neun Monaten Beschäftigung dasselbe Gehalt zu wie der Stammbelegschaft des Entleihers.

Zeitarbeit bietet ebenso vielfältige Chancen für Arbeitslose und Niedrigqualifizierte. Generell sind die Einstellungshürden nicht so hoch wie bei unbefristeter Arbeit. Auch Berufseinsteiger oder -rückkehrer können dank Zeitarbeit leichter auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen.

Ähnliches gilt für Migranten: Da im Ausland erworbene Abschlüsse oftmals nur schwer einzuschätzen sind, kann Zeitarbeit eine sinnvolle Möglichkeit darstellen, Fähigkeiten und Kenntnisse in der realen Arbeitswelt unter Beweis zu stellen. Gleichzeitig erfolgt eine rasche Beseitigung von Sprachbarrieren und macht damit Migranten für potenzielle Arbeitgeber durchaus interessant.

Zeitarbeit boomt im Erzgebirge

Einen Trend zur Zeitarbeit lässt sich auch konkret für das Erzgebirge festmachen. In der Region rund um das Mittelgebirge im deutschen Bundesland Sachsen haben sich die Unternehmen der Zeitarbeitsbranche zu einem wichtigen Stützpfeiler für den lokalen Arbeitsmarkt entwickelt. Je nach Unternehmensentwicklung bietet sich für den Leiharbeitnehmer in jedem Fall die Chance, in weiterer Folge einen Vertrag als regulärer Arbeitnehmer zu bekommen.

War Zeitarbeit in früheren Tagen hin und wieder mit einem schlechten Ruf behaftet, so hat sich die Wertschätzung in jüngerer Zeit deutlich erhöht. Im Laufe der Jahre wurden die Vertragsbedingungen der Zeitarbeiter entscheidend verbessert und an jene der regulären Arbeitsverhältnisse angeglichen.

Auch die Politik hat reagiert und durch ein Bündel an legislativen Maßnahmen den Schutz der Zeitarbeiter im Arbeitsrecht und auch die Verdienstmöglichkeiten (Lohnhöhe) optimiert.

Sieht man sich den Arbeitskräftebedarf im Erzgebirge näher an, so werden Mitarbeiter vorrangig in der Land- und Forstwirtschaft benötigt. Spezialisierte Dienstleister treten im gesamten Raum Erzgebirge auf und vermitteln Arbeit in unterschiedlichsten Betätigungsfeldern.

Auch die Unternehmen haben längst das Potenzial von Zeitarbeitsfirmen erkannt und melden diesen offene Stellen oftmals zuerst. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die Zeitarbeitsfirma für Facharbeiter im Erzgebirge den ersten Anlaufpunkt bildet. Zahlreiche Unternehmen sind auch Mitglied im Arbeitgeberverband für Zeitverband, womit auch gewährleistet ist, dass für alle Jobs in Leiharbeit/Zeitarbeit die bundesweit vereinbarten Tarifverträge samt Tariflöhnen gelten.

Zeitarbeit in Österreich

Arbeitskräfteüberlassung („Zeitarbeit“ oder „Leiharbeit“) ist auch in Österreich möglich und gelangt auch in der Alpenrepublik gerne zur Anwendung. Den rechtlichen Rahmen bildet das Arbeitskräfteüberlassungsgesetz (AÜG) aus dem Jahr 1988, das über die Jahre hin immer wieder adaptiert worden ist.

Die jüngste Änderung datiert aus dem März 2019. Für Arbeitskräfte, die überlassen werden, ist der Kollektivvertrag für das Gewerbe der Arbeitskräfteüberlassung anzuwenden.

Somit gilt für Zeitarbeiter der Kollektivvertrag für Angestellte im Handwerk und Gewerbe, in der Dienstleistung, in Information und Consulting. Wichtige Bestimmungen des jeweiligen Kollektivvertrages gelten somit auch für Zeitarbeiter, beispielsweise die Regelung des Entgelts und arbeitszeitrechtliche Bestimmungen.

Wie auch in Deutschland darf der Zeitarbeiter in Österreich bei seiner Tätigkeit in einem Unternehmen nicht schlechter gestellt werden als die Stammbelegschaft. So ist gesichert, dass der Zeitarbeiter nicht in die Mindestsicherung (in DE: Grundsicherung) fällt, sondern sein Auskommen hat.

Mitte 2018 verfügten in Österreich 2.462 Unternehmen über eine Berechtigung zur gewerblichen Arbeitskräfteüberlassung, davon waren laut Statistischem Unternehmensregister 1.798 aktiv. Der Jahresdurchschnittsbestand (Durchschnitt der Monatsendbestände Juli 2017 bis Juni 2018 der aus Österreich und dem Ausland überlassenen Arbeitskräfte betrug 85.947. Das entsprach einem Zuwachs auf Jahressicht von 9.354 Personen bzw. 12,2 Prozent.

Von diesen wurden im Schnitt 81.951 Arbeitskräfte von österreichischen Überlassungsunternehmen überlassen (Plus auf Jahressicht von 8.929 Personen bzw. 12,2 Prozent). 80 Prozent davon waren Arbeiterinnen und Arbeiter, der Rest entfiel auf Angestellte.

Durchschnittlich wurden die Arbeitskräfte 61 Tage überlassen, die durchschnittliche Beschäftigungsdauer bei den Arbeitskräfteüberlassern betrug 187 Tage (plus fünf Tage im Jahresvergleich).

Der Durchschnittsbestand der aus dem Ausland überlassenen Arbeitskräfte betrug im oben genannten Zeitraum 3.996 (Plus von 425 Personen bzw. 11,9 Prozent). 56 Prozent der 14.069 abgeschlossenen Überlassungen dauerten maximal einen Monat.

Vorgeschriebener Mindestlohn für Zeitarbeit

Im Allgemeinen herrscht in Deutschland Tarifautonomie, das heißt, für die Gestaltung des Arbeitsverhältnisses inklusive der Entlohnung sind die Tarifvertragsparteien – Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften – zuständig.

Ergebnis sind die Tarifverträge, welche die Rahmenbedingungen der Arbeit und auch Entgeltsteigerungen beinhalten. Für Zeitarbeitnehmer in Deutschland gilt, dass diese – auch bei der Entlohnung – so behandelt werden müssen wie der vergleichbare Mitarbeiter im Einsatzbetrieb.

Eine Ausnahme gibt es allerdings dann, wenn ein Tarifvertrag für Zeitarbeit zur Anwendung gelangt. Dieser bildet aktuell die Grundlage für fast alle Zeitarbeitsverhältnisse in Deutschland.

Der Zeitarbeitsgrundlohn ist als Branchen-Mindestlohn allgemeinverbindlich und ist auch auf Zeitarbeitnehmer, die aus dem Ausland nach Deutschland überlassen werden, anzuwenden. Mit dieser Maßnahme soll Lohndumping entgegen gewirkt werden.

Bereits seit dem 1. April 2014 gibt es in Deutschland einen Mindestlohn für Zeitarbeit. Dieser ist aktuell in der „3. Verordnung über eine Lohnuntergrenze in der Arbeitnehmerüberlassung“ geregelt, die noch bis zum 1.1.2020 in Kraft ist. Der Mindestlohn (Bruttoverdienst pro Stunde) in der Zeitarbeitsbranche beträgt demnach im Zeitraum 1. Jänner 2019 bis 30. September 2019 9,79 Euro („West“-Deutschland) bzw. 9,49 Euro („Ost“-Deutschland und Berlin). Für den Zeitraum 1. Oktober 2019 bis 31. Dezember 2019 ist der Mindestlohn mit 9,96 Euro (West) bzw. 9,66 Euro (Ost und Berlin) festgelegt.

Zeitarbeiter verdienen über dem gesetzlichen Mindestlohn

Im Vergleich zum Mindestlohn für Zeitarbeit beträgt der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland zurzeit 9,19 Euro pro Stunde, dieser wird zum 1.1.2020 auf 9,35 Euro pro Stunde steigen. Der Mindestlohn wird von einer eigenen, neunköpfigen Kommission im Zuge eines Vorschlags erarbeitet, der dann der deutschen Bundesregierung vorgelegt wird.

Der Vorschlag der Kommission orientiert sich maßgeblich am Tarifindex des Statistischen Bundesamts, für den rund 700 Tarifverträge in Deutschland untersucht werden. Im Gesetz ist geregelt, dass die Regierung den Vorschlag der Mindestlohn-Kommission lediglich umsetzen oder ablehnen darf, Anpassungen (vorrangig des Entgelts) sind nicht gestattet. Im Oktober 2018 hat das Kabinett für den Mindestlohn 2019 und die Anpassung 2020 die entsprechende Verordnung erlassen.

Umfassende Absicherung

Neben der Überzahlung gegenüber dem bundesweit geltenden Mindestlohn ist der Zeitarbeitnehmer vom ersten Tag an weitläufig abgesichert. Zwar erhält er Weisungen und Direktiven direkt von dem Unternehmen, an das er verliehen wurde, allerdings werden viele Leiharbeiter von den Leiharbeitsfirmen meist unbefristet angestellt.

Ein fester Arbeitsvertrag ohne Befristung sorgt dann auch dafür, dass ein schwacher Arbeitsmarkt in einer Region „abgefedert“ werden kann. Endet die Beschäftigung in einer Firma, an die der Zeitarbeitnehmer ausgeliehen wurde, so bleibt er zunächst bei der Zeitarbeitsfirma unbefristet angestellt und hat dadurch die volle Absicherung durch den Arbeitsvertrag und die tarifliche Entlohnung.

Natürlich trachtet die Zeitarbeitsfirma danach, Leiharbeiter ohne große zeitliche Lücken bei Unternehmen aus der Region einzusetzen. Professionelle Zeitarbeitsfirmen wissen über die individuellen Qualifikationen, Kenntnisse und Fertigkeiten ihrer „Schützlinge“ Bescheid und können diese zielgerichtet einsetzen. Dies sorgt nicht zuletzt dafür, dass auch der Leiharbeiter für den Arbeitsmarkt eine qualitative Fachkraft ist und nachhaltig bleibt.

Auch die Sorge mancher Arbeitnehmer, dass Leiharbeiter ihnen den Job streitig machen würden, können entkräftet werden. Zeitarbeiter erhalten durchaus vergleichbare Zuschläge und branchenübliche Zulagen, die auch die regulären Arbeitnehmer im Unternehmen erhalten. Somit bleibt Zeitarbeit für den flexiblen, rasch benötigten und zeitlich befristeten Arbeitskräftebedarf die ideale Lösung.

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