Krankenstand in Österreich – Krankmeldung, Entgeltfortzahlung, Krankengeld, Krankheit im Urlaub, Kündigung im Krankenstand

Im Laufe des Arbeitslebens erkrankt so gut wie jeder Österreicher mindestens einmal oder mehrfach, im Schnitt sind es pro Arbeitnehmer 12,7 pro Jahr (vgl. der Fehlzeitenreport für das Jahr 2017 vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger).

Ursache sind oft saisonale Phänomene wie besonders schwere Grippewellen oder verschiedene Atemwegserkrankungen im Herbst und Winter.

Krank zu werden ist menschlich und im Großteil aller Fälle geht der Infekt schnell vorüber.

Nichts desto trotz existieren für den Angestellten oder die Angestellte einige wichtige Aspekte, die es zu beachten gilt, wie zum Beispiel die offizielle Krankmeldung, die Einreichung eines ärztlichen Attests oder die Wahrscheinlichkeit einer Kündigung während eines längeren Krankenstandes. Im Folgenden finden Sie alle wichtigen Informationen zu diesem Thema übersichtlich aufgegliedert.

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Wichtig: Vorab zum Thema Krankenstand informieren!
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Die Krankmeldung beim Arbeitgeber

In Österreich existieren zwar verschiedene Regelungen zum Schutz des Arbeitnehmers, wenn es um Erkrankungen geht. Es ist jedoch – das soll von vorneherein klargestellt werden – im Bereich des Möglichen, einen Angestellten im Krankenstand zu entlassen. Verboten ist es, ihm Nachteile bezüglich der Arbeitszeit oder des Gehalts angedeihen zu lassen, auch der gesetzliche Jahresurlaub wird vom Krankenstand nicht beeinflusst.

Die genauen gesetzlichen Regelungen sind in der Gewerbeordnung festgehalten und schützen Sie vor Entgeltverlust. Damit dieser Schutz im Krankenstand jedoch auch uneingeschränkt gilt, muss der Arbeitnehmer seinerseits einigen Pflichten nachkommen.

Bereits am ersten Tag der Krankheit sind Angestellte dazu verpflichtet, ihren Vorgesetzten oder ihre Vorgesetzte unverzüglich zu informieren. Die sogenannte Arbeitsverhinderung durch Krankheit sollte so früh wie möglich mitgeteilt werden, im Idealfall noch vor Beginn der eigentlichen Arbeitszeit. Ein Anruf bei der verantwortlichen Stelle genügt am ersten Tag, anschließend befindet sich der Arbeitnehmer offiziell im Krankenstand.

Ist bereits am ersten Krankheitstag ein offizielles ärztliches Attest obligatorisch?

Die Attestpflicht und die damit verbundene attestfreie Zeit ist im Arbeitsvertrag geregelt. Dort hat der Arbeitgeber das Recht, bereits für den ersten Tag im Krankenstand eine ärztliche Bestätigung für die Unpässlichkeit des Arbeitnehmers zu verlangen, das ist das ärztliche Attest.

Es wird nach der Untersuchung und dem Befund in der Praxis ausgestellt und schreibt den Arbeitnehmer für eine bestimmte Zeit krank. Der Arzt ist verpflichtet im Krankheitsfall ein solches Attest auszustellen, meist fällt dafür eine Gebühr in Höhe von ca. 10,- € an.

Wichtig: In diesem Attest muss nur die endgültige Feststellung enthalten sein, dass der betreffende Arbeitnehmer arbeitsunfähig ist. Die genaue Diagnose fällt unter die privaten Angelegenheiten und muss nicht aufgeführt werden.

Ist die Attestpflicht im Arbeitsvertrag nicht oder nicht eindeutig geregelt, bedarf es zuerst keiner medizinischen Bestätigung des Krankenstandes, sofern die Arbeit an einem der folgenden Tag wieder aufgenommen werden kann. Am dritten Tag des Krankenstandes sollte jedoch eine entsprechende Bestätigung vom Arzt spätestens eingeholt werden, um sich arbeitsrechtlich abzusichern. Im Nachhinein können diese Nachweise nur noch begrenzt ausgestellt werden oder nur im besonderen Fall einer schweren Krankheit, die das Verlassen des Hauses und den Besuch in einer Praxis nicht erlaubt.

Was geschieht im Fall einer versäumten Krankmeldung?

Sollten Sie am ersten Tag Ihrer Abwesenheit vom Arbeitsplatz Ihren Vorgesetzten nicht informiert haben, gelten Sie als unentschuldigt ferngeblieben. In diesem Fall verletzen Sie Ihre Melde- und Nachweispflicht gegenüber dem Arbeitgeber, dieser kann rechtlich daraufhin den Lohn oder das Entgelt für die betreffende Zeit streichen. Auch wenn ein ärztliches Attest eingefordert wurde und Sie dieser Forderung nicht nachkommen, können finanzielle Einbußen die Folge sein.

Wichtig: Der Arbeitgeber hat trotz einer versäumten Krankenstand-Meldung in den ersten Tag nicht das Recht eine – möglicherweise fristlose – Kündigung wegen dieser Sache auszusprechen; dafür wären zuerst Abmahnungen notwendig. In Österreich existiert jedoch kein genereller Kündigungsschutz für Arbeitnehmer bei Krankheit, außer wenn dieser Bereich des Arbeitsrechts in gesonderten tariflichen Bestimmungen geregelt wurde.

Die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall

Der Lohn oder das Entgelt wird im Krankenstand zuerst einmal weitergezahlt. Dabei übernimmt der Arbeitgeber zunächst die vollständige Höhe des vereinbarten Gehalts, nach einer bestimmten Dauer reduziert sich sein Anteil auf 50 %.

Dann springt die Krankenkasse mit ein und übernimmt zuerst einen Teil der Entgeltfortzahlung, im Anschluss – beziehungsweise im längeren Krankheitsfall – kommt das Krankengeld. Der Bezug desselbigen ist zeitlich gestaffelt und richtet sich nach der Zeit, die der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin bereits im betreffenden Betrieb verbracht haben, die sogenannten Arbeitsjahre. Ein Arbeitsjahr beginnt mit dem Eintritt des Arbeitnehmers in das Unternehmen, es zählen also nicht die Kalenderjahre.
Ein Beispiel: Arbeitnehmer X, der zum 20. April 2017 in den Betrieb eintritt, beginnt sein zweites Arbeitsjahr am 20. April 2018.

Die Staffelung der vollen Entgeltfortzahlung bei Angestellten

Als Ausgangspunkt wird das vertraglich vereinbarte Gehalt verwendet. Bei Löhnen, die monatlich schwanken, wird ein Mittel der letzten 13 Wochen errechnet, dieses gilt dann als Grundlage der Berechnung. Es gelten folgende Abstufungen, die sich nach den Arbeitsjahren des Angestellten richten:

  • In den ersten 5 Jahren der Betriebszugehörigkeit erhalten Arbeitnehmer im Krankenstand für 6 volle Wochen 100 % ihres vereinbarten Gehalts. Im Anschluss zahlt der Arbeitgeber für 4 weitere Wochen 50 % dieses Gehalts weiter.
  • Ab dem 6. Arbeitsjahr (ab Eintritt gerechnet) erhalten Arbeitnehmer für 8 Wochen ihr volles Gehalt, im Anschluss zahlt der Arbeitgeber für 4 weitere Wochen 50 % dieses Gehalts weiter.
  • Ab dem 16. Jahr wird die volle Entgeltfortzahlung auf 10 Wochen ausgedehnt, ebenfalls gefolgt von 4 weitere Wochen mit 50 % des vereinbarten Gehalts.
  • Ab dem 26. Jahr der Betriebszugehörigkeit wird Arbeitnehmer im Krankenstand das volle Gehalt für 12 Wochen gezahlt. Im Anschluss zahlt der Arbeitgeber auch hier für 4 weitere Wochen 50 % des Gehalts weiter.

Wie entwickelt sich die Entgeltfortzahlung nach einem Arbeitsunfall?

Nach einem Unfall, der im Rahmen der Ausübung der vertraglichen Pflichten am Arbeitsplatz stattfand, gelten etwas andere Regeln für die Entgeltfortzahlung. In den ersten 5 Jahren der Betriebszugehörigkeit erhalten Arbeitnehmer im Krankenstand dann für 8 Wochen ihr volles Gehalt, ab dem 6. Jahr dann für 10 Wochen. Anschließend folgt die Lohnfortzahlung mit 50 % des vollen Gehalts.

Die Zahlung des Krankengeldes

Dauer der Krankenstand des Arbeitnehmers über längere Zeit hin an, ist der Arbeitgeber nach Ablauf der oben aufgeführten Zeiten von der Zahlung des vollen Lohns aus eigener Tasche befreit und die Krankenkassen springen ein. Zuerst zahlen die Kassen 50 % währen der 4 Wochen nach dem Wegfall des vollen Lohnes, danach 100 % (das eigentliche Krankengeld).

Die Höhe des Krankengeldes wird individuell berechnet und richtet sich – wie die Entgeltfortzahlung des Arbeitgebers – nach dem letzten bezogenen Bruttolohn beziehungsweise dem Mittel der letzten 13 Wochen vor der Erkrankung. Darunter fallen auch alle sozialversicherungspflichtigen Zulagen, wie zum Beispiel Nachtzuschläge, Überstunden, etc. Prinzipiell wird das Krankengeld nur bei begründeter Situation für die Dauer von 12 Monaten gezahlt. Danach müssen der gesundheitliche Zustand des Arbeitnehmers sowie seine Arbeitsfähigkeit erneut überprüft und eventuelle Maßnahmen (Überführung in die Berufsunfähigkeit, etc.) analysiert werden.

Achtung: Es besteht kein Anspruch auf Auszahlung des Krankengeldes, wenn die Arbeitsunfähigkeit durch eigenes schuldhaftes Verursachen hervorgerufen wurde. Dazu zählen unter anderem Trunkenheit, Missbrauch von Drogen oder Betäubungsmitteln sowie schuldhafte Beteiligung an einem Raufhandel (körperlichen Auseinandersetzung).

Die Höhe des Krankengeldes

Das Krankengeld ist ebenfalls zeitlich gestaffelt, jedoch im Gegensatz zu der Entgeltfortzahlung des Arbeitgebers unabhängig von den Arbeitsjahren des Angestellten.

Diese Leistung muss bei der Krankenkasse beantragt werden; dafür werden Arbeits- und Entgeltbestätigung eingefordert, die dann als Bemessungsgrundlage für die Berechnung des Krankengeldes verwendet werden. Bei Erwerbstätigen beträgt das Krankengeld

  • vom 4. bis zum 42. Tag des Krankenstandes 50 Prozent des betreffenden Bruttogehalts
  • ab dem 43. Tag des Krankenstandes 60 % des Bruttogehalts

In diesen Berechnungen werden bisherige Sonderzahlungen des Betriebs ebenfalls berücksichtigt. So schlagen das Urlaubs- und Weihnachtsgeld mit einem Zuschlag von 17 % zu Buche, auch Zuschläge für Familienangehörige werden unter bestimmten Voraussetzungen aufgeschlagen und mit ausgezahlt.
Wichtig: Das Krankengeld muss wie der normale Lohn versteuert werden, zusammen mit allen anderen etwaigen Einkünften (Mieten, Zinsen, etc.). Die Besteuerung des Krankengeldes richtet sich wie bei allen anderen Steuern nach der Höhe: Bis zu einem Betrag von 30,- € pro Tag (das entspricht etwa 900,- € pro Monat) ist es steuerfrei, danach fällt auf jeden weiteren Euro ein pauschaler Steuersatz von 25 % an.

Ein Beispiel: Ein Arbeitnehmer mit einer Betriebszugehörigkeit von 8 Jahren erhielt aufgrund einer langfristigen Krankschreibung in den ersten 8 Wochen sein volles Gehalt in Höhe von 2550,- €. Danach zahlt der Arbeitgeber für 4 Wochen die Hälfte des Bruttolohns in Höhe von 1275,- € weiter, die anderen 1275,- € übernimmt die jeweilige Krankenkasse.

Nach Ablauf dieser Frist springt die Krankenkasse dann vollständig ein und zahlt bis zum 42. Tag des Krankenstandes ein tägliches Krankgeld in Höhe von rund 58,- € (ohne Zuschläge und Sonderzahlungen). Da es über dem steuerfreien Betrag von 30,- € pro Tag liegt, fallen für 28,- € des Tagesgeldes 25 % Steuern an.

Da die Berechnung des Krankengeldes vergleichsweise kompliziert ist, besteht für Arbeitnehmer die Möglichkeit, sich bei Anlaufstellen wie dem Betriebsrat, der österreichischen Arbeiterkammer oder der Gewerkschaft beraten zu lassen. Diese können auch bei einer Kündigung oder Abmahnung im Krankheitsfall beratend zur Seite stehen.

Was passiert bei Krankheit im Urlaub?

In der österreichischen Gewerbeordnung und im Arbeitsrecht ist festgelegt, dass der Urlaubsanspruch eines Arbeitsnehmers von Krankheitstagen nicht berührt wird und dementsprechend nicht verringert werden darf.

Solange der Angestellte oder die Angestellte ihrer Beweispflicht durch ein ärztliches Attest für die gesamte Dauer des Krankenstandes nachkommen, besteht Anspruch auf die volle Höhe des gesetzlichen Urlaubs, der aktuell 30 Tage pro Jahr beträgt. Eine Auszahlung der Urlaubstage ist ebenfalls möglich, die Höhe der Entschädigung muss aber zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber abgesprochen werden.

Wie sollte man sich während des Krankenstandes verhalten?

Generell gilt: Wer von einem Arzt als arbeitsunfähig eingestuft wurde, hat seinem Arbeitgeber gegenüber die Pflicht, die Gesundung nach Kräften zu unterstützen und kein der Gesundheit abträgliches Verhalten an den Tag zu legen. Das heißt konkret, dass im Fall eines Bruchs das Körperglied geschont und nicht bewegt werden sollte, bei einer Grippe sollte man tunlichst auf anstrengende Freizeitaktivitäten verzichten.

Krankgeschriebene Arbeitnehmer sind dazu angehalten, sich den Anweisungen des behandelnden Arztes zu fügen und beispielsweise Bettruhe einzuhalten, wenn diese notwendig ist. Es ist immer von der individuellen Situation sowie von der Erkrankung abhängig, ob das Haus verlassen werden sollte oder nicht. Bei einer depressiven Erkrankung oder einem Burn-Out können Spaziergänge und außerhäusliche Aktivitäten Teil des psychotherapeutischen oder ärztlichen Behandlungsplans sein.

Bei einer Krankmeldung aufgrund eines schweren Infekts oder einer Viruserkrankung sollten im Gegensatz alle Dinge unterlassen werden, die der Gesundheit abträglich sind und zum Beispiel den Arbeitnehmer anstrengend, sodass sich dessen Gesundung verzögert. Klar ist, dass krankgeschriebene Arbeitnehmer trotzdem das Haus verlassen müssen, um alltägliche Dinge des Lebens wie Arztbesuche oder Einkäufe zu erledigen.

Die Fragen nach erlaubten und nichterlaubten Aktivitäten während des Krankenstandes ist nicht leicht zu beantwortet, da dies stark von der medizinischen Behandlung und der Art der Erkrankung abhängt.

Es ist jedoch arbeitsrechtlich untersagt, in der Zwischenzeit anderen beruflichen Tätigkeiten nachzugehen oder in den Urlaub zu fahren. In diesem Fall besteht für den Arbeitgeber das Recht auf fristlose oder teilweise fristgerechte Kündigung. Dafür muss jedoch starkes Fehlverhalten vorliegen, beispielsweise Schwarzarbeit während der Krankschreibung.

Arbeitsgerichte jedoch sehen in immer häufiger die Beweispflicht für ein Fehlverhalten während des Krankenstandes beim Arbeitgeber, sodass dieser über ausreichen detaillierte Beweise für seine Forderung nach der Kündigung eines Mitarbeiters verfügen muss. Eine Abmahnung hat jedoch weniger rechtliche Hürden und kann ein einem entsprechenden Fall vom Arbeitgeber ausgesprochen werden, eine Kündigung im Wiederholungsfall ist dann leichter möglich.

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