Stille und offene Gehaltsverpfändung bei Immobilienfinanzierungen

Für deinen Immobilien- oder Hauskredit verlangt deine Bank eine Reihe an Sicherheiten.

Üblich sind etwa die Eintragung der Hypothek ins Grundbuch und der Abschluss einer Restschuldversicherung oder die Abtretung von Versicherungen. Meistens besteht die Bank auch auf eine Gehaltsverpfändung. Gehaltsverpfändung klingt auf den ersten Blick dramatisch, ist aber durchaus üblich. Wir haben für dich alle wichtigen Infos dazu zusammengefasst.

Was versteht man unter einer Gehaltsverpfändung als Kreditsicherheit?

Hast du einer Gehaltsverpfändung bei Kreditabschluss zugestimmt und du zahlst die Kreditraten nicht mehr an die Bank zurück, kann sie dein Einkommen pfänden. Das bedeutet, dass dein Arbeitgeber dein Gehalt nur in Höhe des Existenzminimums an dich überweist, und den Rest an die Bank, bis die Restschulden getilgt sind.

Zu dieser Pfändung kommt es aber erst, wenn du mit deinen Zahlungen in Rückstand bist. Bei Kreditabschluss holt sich die Bank nur deine Einverständniserklärung ab, um im „Fall des Falles“ auf dein Einkommen zuzugreifen, so wie die Eintragung der Hypothek die Bank dazu berechtigt, aus dem Versteigerungserlös deiner Immobilie die Restschulden zu decken.

Wichtig: Auf Details bei der Immobilienfinanzierung (Gehaltsverpfändung) achten

Offene und stille Gehaltsverpfändung

Grundsätzlich können bei der Gehaltsverpfändung zwei Arten unterschieden werden, die offene und stille Verpfändung. Der Unterschied liegt im Zeitpunkt, zu dem der Arbeitgeber davon in Kenntnis gesetzt wird.

Bei der offenen Gehaltsverpfändung wird der Arbeitgeber sofort verständigt, gleich bei Kreditabschluss. Das hat für die Bank den Vorteil, dass sie im ersten Rang steht und somit aus deinem gepfändeten Gehalt zuerst diese Schulden getilgt werden, bevor andere Gläubiger befriedigt werden.

Der Dienstgeber weiß also schon bei Aufnahme des Kredits, dass du dein Gehalt verpfändet hast. Auch wenn du bis zur Ende der Laufzeit jeden Monat die Raten in voller Höhe bezahlst, ist dein Arbeitgeber über die Gehaltsverpfändung informiert.

Anders bei der stillen Verpfändung, hier erfährt der Arbeitgeber erst bei Beginn der Exekution von der Gehaltsverpfändung. Solange du also mit den Zahlungen an die Bank nicht in Rückstand gerätst, weiß dein Dienstgeber nichts von der Verpfändung deines Einkommens an die Bank.

Das hat wiederum für die Bank den Nachteil, dass sie vielleicht in einen schlechteren Rang kommt, wenn ein anderer Gläubiger sich zuerst bei deinem Arbeitgeber gemeldet hat. Daher behält sich die Bank meist das Recht vor, jederzeit die stille Gehaltsverpfändung beim Arbeitgeber offenzulegen, auch ohne bestimmten Grund.

Was kann verpfändet werden?

Grundsätzlich kommt für die Gehaltsverpfändung als Kreditsicherheit dein Monatseinkommen in Frage. Darunter fällt aber nicht nur Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit, sondern auch sogenannte Einkommensersatzleistungen wie Notstandshilfe, Arbeitslosengeld etc.

Welches Geld kann nicht gepfändet werden?

Nicht gepfändet werden können Wohn- und Familienbeihilfe und andere Beihilfen sowie Aufwandsentschädigungen und Tagesdiäten. Andere Gehaltsbestandteile wie Zulagen, 13. und 14. Gehalt oder Auszahlung für Überstunden werden ebenfalls gepfändet. Sachleistungen, wie etwa ein Dienstwagen, der auch privat genutzt werden darf, werden ebenfalls zum pfändbaren Einkommen gerechnet.

Das Existenzminimum

Aus dem pfändbaren Einkommen wird ein Existenzminimum berechnet. Bis zu diesem Existenzminimum kann gepfändet werden. Bei der Berechnung werden mehrere Faktoren berücksichtigt.

Am Beginn steht der sogenannte allgemeine Grundbetrag. Dieser beträgt im Jahr 2018 909 Euro. Hinzu kommt der Steigerungsbetrag in der Höhe von 30% der Differenz zwischen Grundbetrag und Nettoeinkommen. Das bedeutet, dass von Personen mit höherem Einkommen auch relativ mehr gepfändet werden kann, das Existenzminimum aber mit dem Einkommen steigt. Ab einem Einkommen von 3620 Euro kann das gesamte diese Grenze übersteigende Einkommen gepfändet werden.

Anders sieht die Rechnung für Personen aus, die Unterhalt leisten müssen. Ihnen bleibt ein erhöhter Grundbetrag von 1060 Euro monatlich und 181 Euro für jede unterhaltsberechtigte Person. Hinzu kommt ein zusätzlicher Steigerungsbetrag.

Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld werden wie ein eigener Monatsbezug gepfändet. Das bedeutet auch, dass davon wiederum der unpfändbare Betrag verbleibt.

Wie hoch das unpfändbare Einkommen, das dem Arbeitnehmer verbleibt, genau ist, kann aus den sogenannten Existenzminimum-Tabellen abgelesen werden. Diese sind auf der Homepage des Justizministeriums abrufbar

Quelle: https://www.justiz.gv.at/web2013/html/default/2c9484852308c2a60123ec387738064b.de.html

Die Lohnpfändung steht aber erst am Schluss eines langen Prozesses nach einer ausstehenden Monatsrate. Prinzipiell hat die Bank kein großes Interesse, auf deine Sicherheiten zurückzugreifen, wenn es nicht unbedingt nötig ist. Für die Bank bedeutet eine Lohnpfändung, wie auch die Verwertung einer Hypothek, einen beträchtlichen Aufwand. Eine Lohnpfändung muss erstmal beim Bezirksgericht beantragt und von diesem bewilligt werden.

Dann wird dies erst dem Arbeitgeber mitgeteilt, der dann als Drittschuldner eine Drittschuldnererklärung abgeben muss. Der ganze Prozess dauert lange und hat für die Bank oft wechselhafte Erfolgsaussichten.

Solltest du wissen, dass du in nächster Zeit vielleicht etwas weniger Geld zur Verfügung hast, setze dich proaktiv mit deiner Bank in Verbindung. Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, die dir helfen können, deine Kreditraten pünktlich zu bezahlen, auch wenn dein Einkommen eine Zeit lang etwas niedriger sein sollte. Die Gehaltspfändung bei Kreditabschluss zu unterzeichnen, ist Standard, aber bis sie tatsächlich ausgeführt wird, ist es meist ein langer Weg.

Deine Meinung ist uns wichtig

*