Was ist Reverse Charge? – Was muss auf der Rechnung stehen? – Umsatzsteuer & Umkehr Steuerschuld

Viele Unternehmen kennen es: Für den Steuerberater wurde die aktuelle Voranmeldung der Umsatzsteuer vorbereitet, doch die Reverse-Charge-Liste wurde dabei wieder einmal vergessen… Dabei ist diese Sache nicht unbedingt unwesentlich und dennoch wird gerne auf sie vergessen.

Doch was genau ist Reverse-Charge eigentlich? Um welches Verfahren handelt es sich dabei und was genau gilt es zu beachten? Vor allem die Rechnungen sind es, auf die geachtet werden müssen, wenn diese an ein ausländisches Unternehmen gehen.

Was ist Reverse-Charge?

Nach dem UstG bedeutet Reverse-Charge die Umkehrung der Steuerschuldnerschaft. Dabei handelt es sich um eine spezielle Regelung, die für Unternehmer gilt und sich auf das internationale Steuerrecht bezieht. Einfach ausgedrückt bedeutet dies, dass bei dem Verfahren nicht der leistende Unternehmer die Umsatzsteuer abgeben muss, sondern der Empfänger der Leistung.

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Reverse Charge – Lassen Sie sich beraten!
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Durch die Umkehr der sogenannten Steuerschuldnerschaft wird das Steuerverfahren für den Unternehmer und den Fiskus erleichtert. Die Umkehrung dient zudem der Bekämpfung von Steuerbetrug beim Thema Umsatzsteuer. Auch für den nicht unternehmerischen Bereich gilt das Verfahren, solange es sich beim Leistungsempfänger um eine juristische Person handelt.

Die Umsatzsteuer nach dem UStG für den Unternehmer

Die Umsatzsteuer ist nach dem UStG grundsätzlich vom Erbringer einer Leistung an das zuständige Finanzamt abzuführen. Beim Reverse-Charge-Verfahren ist der Leistungsempfänger jedoch zur Abfuhr der Umsatzsteuer verpflichtet. Voraussetzung dafür: Der Leistungsempfänger sowie der Leistungserbringer müssen beide ein Unternehmen sein. Somit erhält der Empfänger der Leistung die Rechnung stets mit dem Nettobetrag. Natürlich kann auch hier die Umsatzsteuer als Vorsteuer abgezogen sein, wenn es dafür eine Berechtigung gibt.

Das Reverse-Charge-Verfahren wird im UStG geregelt unter §3a UstG 1994.

Was muss bei der Rechnung beachtet werden?

Im Idealfall sollte auf den betreffenden Rechnungen der Vermerk „Reverse-Charge“ stets angeführt werden. Dies signalisiert dem Finanzamt sowie dem Steuerberater, dass es sich dabei um Rechnungen handelt, die aus dem Ausland stammen oder ins Ausland gegangen sind.

Eine Reverse-Charge-Liste für jedes Geschäftsjahr ist außerdem sehr zu empfehlen. Ein Ausdruck sollte in der Buchhaltung zu finden sein. Der Unternehmer, Steuerberater oder Buchhalter sowie das Finanzamt selbst, kann auf der Liste bereits auf einen Blick erkennen, worum es dabei geht.

Bei den Rechnungen muss sowohl die eigene UID-Nummer als auch die UID-Nummer des anderen Unternehmens (also des Empfängers) angegeben werden. Die UID-Nummern dienen der Feststellung der Unternehmereigenschaft des Empfängers der Leistung. Bei sogenannten Drittländern ist die „Certificates of Registration“ vorzuweisen.

Bei den Rechnungen wird kein Steuersatz angegeben, sondern lediglich der Nettobetrag.

Wie wirkt sich das Verfahren in der Buchhaltung aus?

Es spielt keine Rolle, ob man die Buchhaltung als Unternehmer selbst für das Finanzamt vorbereitet oder es eine eigene Buchhaltungsabteilung im Haus gibt, einen Steuerberater oder einen externen Buchhalter damit beauftragt: Zu beachten ist stets, dass bei der Vorbereitung zur Umsatzsteuervoranmeldung eine entsprechende Liste vorbereite wird, aus welcher man die Reverse-Charge-Rechnungen erkennen kann. Zu erkennen muss sein, an welchen Leistungsempfänger die Rechnungen gingen.

Warum gibt es das Reverse-Charge-Verfahren?

Der Grund bzw. Vorteil des Verfahrens ist einfach zu erklären. Durch das Verfahren muss das zuständige Finanzamt nicht darum bangen, dass es die Umsatzsteuer des Leistungsempfängers abgeführt bekommt. Diese wurde bereits in der Vorsteuer des leistenden Rechnungslegers verbucht.

Es gibt keine Vor- oder Nachteile für die beiden Seiten, ganz egal, ob es sich dabei um den Empfänger der Rechnung oder um den Rechnungsersteller handelt. Das Finanzamt ist bei dem Verfahren die einzige Stelle, die wirtschaftlich gesehen davon profitiert.
Natürlich kommen die entsprechenden Einnahmen mittelfristig gesehen jedoch auch bei den Bürgern an.

Österreichische Unternehmer als Leistungserbringer: was gilt?

Unternehmen aus Österreich, die eine Dienstleistung für ausländische Geschäftspartner erbringen wenden das Verfahren in der Regel an. Sie erheben an den Kunden daher keine Umsatzsteuer, da die Dienstleistung nicht in Österreich erbracht wurde bzw. die Ware nicht in Österreich ankommt, sondern eben im Ausland. Die Steuerschuld geht damit auf den ausländischen Partner über und liegt nicht mehr beim österreichischen Unternehmen.

Das österreichische Unternehmen bzw. der österreichische Unternehmer hat nur dafür zu sorgen, dass die Unternehmerschaft des Partners aus dem Ausland gewährleistet ist. Diese muss daher nachgewiesen sein. Die UID-Nummer (Umsatzsteueridentifikationsnummer) wird hierfür angefordert. In der Online Datenbank des Bundesministeriums der Finanzen sowie in der MIAS-Datenbank der EU kann jeder Unternehmer die Richtigkeit der UID-Nummer überprüfen.

Wie wendet der Unternehmer aus dem Ausland das Verfahren an?

Geschäftspartner, die aus der EU stammen erhalten die Rechnung vom österreichischen Dienstleister, welche keine Umsatzsteuer enthält. Ausgewiesen wird also nur der Nettobetrag. Der Kunde muss die Umsatzsteuer selbst berechnen und diese dem Finanzamt bei seiner eigenen Umsatzsteuervoranmeldung melden.

Die ermittelte Umsatzsteuer kann natürlich als geleisteten Vorsteuer von der eigenen Steuerschuld abgezogen werden. Geschäftspartner, die aus Drittstaaten kommen, haben individuelle Regelungen.

Wie sieht es aus, wenn das österreichische Unternehmen der Empfänger der Leistung ist?

Wenn der österreichische Unternehmer der Empfänger der Leistung ist, die von einem ausländischen Dienstleister stammt, geht die Umsatzsteuerschuld natürlich auf ihn über. Die Dienstleistung hierfür muss natürlich in Österreich ausgeführt worden sein, dies gilt als Voraussetzung. Dann wird die Umsatzsteuer natürlich auch in Österreich fällig. Ob die Rechnung einen Hinweis auf das Verfahren enthält oder nicht, spielt dabei keine Rolle.

Die Regelung trifft nicht nur auf Dienstleistungen zu, die aus dem EU-Raum stammen, sondern ebenfalls aus solchen, die aus Drittstaaten kommen.

Der Kunde aus Österreich bekommt in diesem Fall die Rechnung des Dienstleisters mit dem Nettobetrag. Er muss die Umsatzsteuer selbst berechnen. Gewählt wird der Steuersatz, der in Österreich für die entsprechende Gültigkeit zutreffend ist.

Bei der Umsatzsteuererklärung sowie bei der USt-Voranmeldung hat der österreichische Unternehmer nun die Steuerschuld, die ermittelt wurde. Der Unternehmer kann die geleisteten Vorsteuer natürlich von der Steuerschuld abziehen.

Wie sieht es mit Dienstleistungen aus, die an Privatkunden ins Ausland gehen?

Für Leistungen, die von einem österreichischen Unternehmen an Privatkunden ins Ausland gehen, gilt eine Generalklausel. Diese besagt, dass die Dienstleistungen des Unternehmers für Privatkunden in das Ausland dort ausgeführt werden, wo der Dienstleister den Unternehmenssitz hat. Kurz gesagt führt die Klausel dazu, dass das österreichische Finanzamt für die Besteuerung der Leistungen zuständig ist. Der Dienstleister aus Österreich muss also die Umsatzsteuer von dem ausländischen Kunden erheben.

Es gibt jedoch Ausnahmen, denn viele Leistungen von österreichischen Unternehmen an Privatkunden, die sich im Ausland befinden, fallen nicht unter die besagte Klausel und es gilt erneut das Reverse-Charge-Verfahren. Leistungen, die davon betroffen sind, sind beispielsweise Leistungen, welche ein Grundstück betreffen.

Leistungen, die sich auf ein Grundstück beziehen bzw. darauf erbracht werden, gelten als Leistungen, die vor Ort vorgenommen werden. Dort, wo sich das Grundstück befindet, dort werden diese Leistungen auch tatsächlich vorgenommen. Es handelt sich dabei in der Regel um Bauleistungen oder Instandhaltungen oder um die Beseitigung sowie die Verwertung von Abfällen.

Auch bei Tätigkeits-Ortsleistungen kommt es zu dem Verfahren. So kann es sich dabei um Leistungen im Bereich von Kunst und Kultur, Wissenschaft, Sport, Unterricht oder Unterhaltung handeln.

Fazit:Das Reverse-Charge-Verfahren ist ein Verfahren, das dann zum Einsatz kommt, wenn es sich um Geschäftspartner handelt, die sich im Ausland befinden. Der österreichische Unternehmer gibt bei seinen Rechnungen dann nur den Nettobetrag an. Das Abführen der Umsatzsteuer übernimmt der Empfänger der Leistung in seinem eigenen Land. Kauft ein österreichischer Unternehmer hingegen aus dem Ausland ein oder nutzt eine ausländische Dienstleistung, erhält dieser die Rechnung wiederum nur mit dem angegebenen Nettobetrag. Die Steuerschuld liegt nun bei ihm. Die Umsatzsteuer muss selbst nach geltendem Steuersatz berechnet werden und an das Finanzamt abgegeben werden.

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